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Mönchengladbach
Akademie zur Erforschung der Glaskunst

Mönchengladbach. 100.000 Glasfenster haben Annette und Ernst Jansen-Winkeln in NRW dokumentiert. Gestern eröffneten sie ihre Forschungsstelle in Winkeln. Hier entsteht das Zentrum für die geschichtliche Aufarbeitung dieser besonderen Kunst. Von Inge Schnettler

Zehn Jahre lang haben sie mit sprichwörtlich kriminalistischem Spürsinn und großem Forschungseifer 100.000 Glasmalereien in Nordrhein-Westfalen fotografiert, dokumentiert und so auf Dauer gesichert. 3,2 Millionen Euro wurden in das Projekt investiert, mit 1,16 Millionen Euro förderte das Land ihre Arbeit, den Rest investierten sie aus ihrem Privatvermögen. Gestern konnten die Kunsthistorikerin Dr. Annette Jansen Winkeln und ihr Mann, der Architekt Ernst Jansen-Winkeln, das Ergebnis ihrer Arbeit vorstellen - und die Eröffnung der Europäischen Akademie für Glasmalerei feiern.

Annette Jansen-Winkeln machte deutlich, wie hoch der materielle Wert der in Kirchen, Schulen, Rathäusern, Krankenhäusern und Altenheimen ist. "Wenn man für einen Quadratmeter Glasmalerei einen Wert von 4000 Euro zugrunde legt, bedeutet das: Allein die 100.000 Fenster in Nordrhein-Westfalen sind 1,2 Milliarden Euro wert." Die Identifikation mit Glasfenstern sei besonders hoch, da sie in den allermeisten Fällen von Bürgern gespendet wurden. "Das bedeutet, die Bürger haben zum Entstehen dieses Kulturguts beigetragen." 1600 Künstler und Werkstätten konnten das Ehepaar bei der flächendeckenden Recherche feststellen, die meisten davon relativ unbekannt. "Die Auftraggeber suchten nicht die großen Namen, sie entschieden sich in der Regel für Künstler aus der eigenen Umgebung", sagte Annette Jansen-Winkeln. Die Auftraggeber hätten ihnen zugetraut, dass sie ihre Gedanken und Anschauungen umsetzen können.

Die Kunsthistorikerin berichtete von dem unglaublichen logistischen und organisatorischen Aufwand, den sie und ihr Team betreiben mussten, um die 100.000 Fenster dokumentieren zu können. "Wir haben alle Kreise und Städte angeschrieben, allein im Ruhrgebiet hatten wir 1000 Termine." Inzwischen seien 40 Gebäude mit historisch wertvollen Glasmalereien abgerissen worden. "Wir müssen uns die Frage stellen, ob unsere Kulturschutzgesetze ausreichen."

Nach der aufwendigen Erhebung ginge es nun um die geschichtliche Aufarbeitung. Es stellen sich viele Fragen, sagt Annette Jansen-Winkeln. Was bedeutet Glasmalerei? Wie ist sie entstanden? Wer hat sie in Auftrag gegeben? Inwiefern belegen sie unsere Geschichte? Warum ist gerade Nordrhein-Westfalen so reich an diesen Werken? Was können wir tun, um dieses große Kulturgut in Zeiten zunehmender Umwidmungs- und Abbruchmaßnahmen von Kirchengebäuden zu erhalten? Die Aufgabe, sich mit diesen Themen zu beschäftigen, wird die Europäische Akademie für Glasmalerei übernehmen.

Deren Eröffnung wurde im Hause Jansen-Winkeln gestern entsprechend gefeiert. Dazu war neben vielen anderen Ehrengästen auch NRW-Kulturministerin Christina Kampmann aus Bielefeld angereist. "Ich freue mich sehr, die Dokumentation heute vorstellen zu können. In einer Zeit, in der viele Kirchen abgerissen oder umgebaut werden, trägt die Bestandserhebung dazu bei, dass das Bewusstsein für den Wert und die Bedeutung der Glasmalerei wieder wächst", sagte sie bei der Vorstellung des Buches "Das Ende der selbstverschuldeten Unwissenheit - Zur kompletten Erfassung der Glasmalerei in Nordrhein-Westfalen, Luxemburg und Limburg/NL".

Wer sich ein Bild machen möchte von der unglaublichen Fülle und Vielfalt an Glasmalerei in den untersuchten Regionen, kann das am besten auf der Seite www.glasmalerei-ev.net. Stadt eingeben, und schon geht es los. Es lohnt sich!

Quelle: RP
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