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Mönchengladbach
Als Schloss Rheydt noch zwei Gräben hatte

Mönchengladbach. Wie sich aus dem Nutzgarten das Gesamtkunstwerk Garten entwickelte, zeigt eine Ausstellung im Museum Schloss Rheydt. Volontärin Ricarda Hüpel hat sie kuratiert. Ein besonderes Exponat zeigt die Schlossanlage um 1594. Von Inge Schnettler

Normalerweise liegt die Federzeichnung in einem Grafikschrank des Duisburger Landesarchivs. Nun wird sie da gezeigt, wo sie eigentlich hingehören sollte - im Museum Schloss Rheydt. In der Ausstellung "Künstliche Natur - Vom Nutzgarten im Mittelalter zum Gesamtkunstwerk im Barock" wird die aquarellierte Ansicht der Schlossanlage, die um 1594 datiert wird, gezeigt. Als einzige Leihgabe, alle anderen Exponate hat Ricarda Hüpel im Depot gefunden.

Die Volontärin des Museums hatte sich bereits während ihres Studiums der Kunstgeschichte in Bern intensiv mit Gartenkunst befasst. "Im Depot des Museums sind mir die Augen übergegangen", sagt sie. Und die Auswahl der Arbeiten, die es letztlich in die Präsentation schafften, sei ihr sehr schwergefallen. Sie ist gelungen. Im Kabinett des Museums erwartet die Besucher eine sehr stille, sehr feine, sehr gehaltvolle Ausstellung.

Die Ansicht des Schlosses gegen Ende des 16. Jahrhunderts wird besondere Aufmerksamkeit erregen. Sie zeigt nicht nur das Architekturensemble, sondern auch die umgebende Parkanlage. Herrenhaus und Vorburg liegen auf einzelnen, von Wassergräben umgebenen Inseln. Heute ist nur noch der äußere Graben vorhanden. Zu sehen sind außerdem die Schlossmühle und ein vorgelagerter geometrisch angelegter Lustgarten - in seiner Gestaltung ein typisches Beispiel für den Renaissance-Garten.

Ricarda Hüpel ermöglicht den Besuchern der Ausstellung einen Gang durch die Geschichte der Gartenkunst. Die Darstellung und Bedeutung von Nutz-, Heil- und Zierpflanzen wird veranschaulicht, riesig dimensionierte Gartenanlagen von römischen Villen sind zu sehen, und - eindrucksvoll - die Wandlung des Gartens in der Renaissance zum wesentlichen Teil des höfischen Lebens. Repräsentativ zeigt er sich mit Blumenbosquetten, die kunstvoll ornamental strukturiert auch der Repräsentation des Besitzers dienten.

Im Barock werden die Gärten größer, sie beziehen die Architektur mit ein, werden zu Gesamtkunstwerken. "Die Gärten wurden zu Erlebnisräumen im Freien, die an gartenkünstlerischen Ideen unübertroffen waren und sich harmonisch in das höfische Leben einfügten", schreibt Ricarda Hüpel in ihrem Katalogtext. "Lebensart und Garten gingen schließlich ineinander über, so dass neben dem Lustwandeln durchaus auch im Freien politische Konversationen geführt wurden."

Die florale Formensprache zieht ins Innere der Herrschaftsräume. In Möbeln, Gobelins und im Kunsthandwerk findet sie sich wieder - auch in der Kleidung. Auch dafür gibt es Beispiele in der Ausstellung.

Die Ausstellung (Kooperation mit dem Kulturzentrum Sinsteden und der Uni Düsseldorf) ist bis zum 23. Juli im Museum Schloss Rheydt zu sehen (Di bis Fr 11-17 Uhr, Sa + So 11 - 18 Uhr); www.schlossrheydt.de

Quelle: RP
 
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