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Mönchengladbach
Auch in der Musik kann Liebe schön sein

Mönchengladbach. RP-Redakteur Wolfram Goertz fand im Carl-Orff-Saal zweimal ein begeistertes Publikum Von Gert Holtmeyer

Ob in der Düsseldorfer Neanderkirche, in der Viersener Festhalle oder in Mönchengladbach: Wenn Wolfram Goertz zu einem "Beitrag zum betreuten Hören" einlädt, kann er sich über mangelnde Publikumsnachfrage nicht beschweren. Im Carl-Orff-Saal fand sein Vortrag zweimal vor vollen Stuhlreihen statt, und sein Publikum lauschte ihm hör- und sichtbar mit großem Vergnügen.

Goertz, der nicht nur Musikwissenschaft und Kirchenmusik studierte, sondern auch zum Dr. der Medizin promovierte, hatte sich ein dankbares Thema ausgesucht. "So schön kann Liebe sein" überschrieb er seinen diesjährigen Vortrag. Dazu gibt es in allen Musiksparten ein reiches Angebot. Um die Palette nicht allzu breit werden zu lassen, ließ er die unzähligen Volkslieder zu dieser Thematik ebenso weg wie die einschmeichelnden Operettenweisen eines Johann Strauß, Lehár oder Kálmán. Man wird ja auch in Opern, Filmmusik und Schlagern, ja selbst in der Instrumentalmusik schnell fündig. Zwischen E- und U-Musik wird zu Recht nicht unterschieden: Amors Pfeile treffen schließlich die Vertreter aller Geschmacksrichtungen.

Mit einer "Popschnulze" aus der Gattung Kuschelrock ging es los. Die heißt "Especially For You", stammt aus dem Jahre 1988 und spielt sich über einem gleichmäßigen Grundrhythmus ab. Pfiffiger war da schon Mozarts Beispiel aus der Zauberflöte. Und da zeigte sich gleich, dass die Oper eine ganze Menge von der Liebe versteht. Papageno und Papagena kriegen sich schon in die Haare, bevor sie ganz zueinander gefunden haben.

Die Liebe kann einen sehr schnell erwischen. In Puccinis "La Bohème" dauert es "nur 20 Minuten vom Ertasten des kalten Händchens bis zum hohen C". Die Oper weiß auch davon zu berichten, dass Glück und Unglück oft sehr nah beieinander liegen und dass Krankheit und Tod der Liebe schneller als gedacht ein schmerzliches Ende bereiten können. Dabei spielt, wie wir von Puccini und Verdi lernen können, die Tuberkulose eine besondere Rolle.

Und noch ein Problem spießt die Oper auf: Liebe und Moral passen nicht immer zueinander. Im Zweifelsfall entscheidet sich die Oper dabei konsequent für die Liebe und gegen die Moral. Das passiert schon gleich zu Beginn der Operngeschichte, in Claudio Monteverdis 1642 uraufgeführter Oper "Die Krönung der Poppea".

Wenn die brasilianische Sängerin Elis Regina "Aguas de Março" beisteuert, klingt das natürlich erheblich anders als Richard Wagners "Willst du mir Minne schenken". Aber hier wie da geht es um menschliche Annäherung. Im Übrigen, scherzte Goertz, bedeutet "Minne" bei Wagner etwas anderes als beim Rheinländer ("Dat is minne Jung").

"Something Stupid" wurde in den USA erst ein Erfolg, als es von einem anderen Duett als Frank Sinatra plus Tochter gesungen wurde. Die Kombination Vater und Tochter als Gesangsduett passte nicht in die herrschende amerikanische Moral.

Zur Liebe gehört auch Herzklopfen. Wie am Beispiel "Doulce mémoire" abschließend zu erfahren war, lässt es sich musikalisch vorzüglich durch einen Zupfbass darstellen.

Mit den wachsenden Zuhörerzahlen wachsen auch die Einnahmen dieser Benefizveranstaltung für die Interdisziplinäre Ambulanz für Musikermedizin in Düsseldorf. Dr. Wolfram Goertz leitet und koordiniert sie seit 2011. Immerhin: Bis jetzt wurde - dank Spenden und Benefizeinnahmen - in der jährlichen Bilanz von Soll und Haben noch immer die schwarze Null geschafft.

Quelle: RP
 
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