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Mönchengladbach
Bert Gerresheim und Mönchengladbach

Mönchengladbach. Der Düsseldorfer Künstler ist mit einigen Werken in Gladbach vertreten. Der Kühlen-Verlag hat jetzt einen schönen Bildband über ihn vorgelegt. Von Inge Schnettler

Bert Gerresheim ist ein Ausnahme-Künstler. Einer, der sich nicht ohne weiteres einordnen lässt in die Riege der Maler, Bildhauer, Zeichner des 20. und 21. Jahrhunderts. Zu eigen ist sein Stil, kompromisslos, realistisch, hyperrealistisch. Die Gesichter in seinen Werken sind derart eindringlich, dass es manchmal fast schmerzt, sie anzusehen. Entziehen - unmöglich. Bert Gerresheim hat im Oktober seinen 80. Geburtstag gefeiert. Das Clemens Sels Museum in Neuss würdigt den Künstler derzeit mit einer großen Ausstellung. Und mit einem prächtigen Farbband. Bert Gerresheim ist Düsseldorfer, aber irgendwie auch ein bisschen Mönchengladbacher. In der Stadt gibt es so viele Werke des Künstlers, dass er durch sie so gut wie eingebürgert ist. Verwunderlich ist es von daher auch nicht, dass die gedruckte Hommage zum Geburtstag des Künstlers "Bert Gerresheim - Alles vexiert - in Mönchengladbach herausgegeben wurde - vom B. Kühlen-Verlag.

Neben den Bronzeskulpturen finden die Bleistiftzeichnungen des Künstlers intensive Berücksichtigung. Sich in die Darstellungen zu vertiefen, ist wie ein Eintauchen in eine Erzählung. Achtung: Irritationen sind nicht auszuschließen. "Nichts ist, wie es scheint, und nichts scheint wie es ist", schreibt die Direktorin des Neusser Museums, Uta Husmeier-Schirlitz. Dabei geht es um die Vexierbilder von Bert Gerresheim.

Ein Vexierbild ist ein mehrdeutiges Bild. Es lässt verschiedene Interpretationsmöglichkeiten zu. Vexierbilder werden auch als "Suchbilder" oder "Rätselbilder" bezeichnet. Die Gebrüder Grimm beschreiben in ihrem Wörterbuch das Vexierbild als ein "bild mit einem in der zeichnung verborgenen betrug, scherz". Die Suche kann beginnen - es gibt in den Zeichnungen Gerresheims Skurriles zu entdecken.

Auch auf dem Cover des Buches. Der Künstler ist anwesend - gespiegelt in der silbernen Kugel, die über einem Tisch hängt. Und selbstverständlich ist da auch die Kamera zu sehen, die ihn am Tisch sitzend aufgenommen hat. Das erste Foto im Buch spielt weiter mit dieser Idee. Da sitzt der Künstler tatsächlich am Tisch, und über ihm schwebt die silberne Kugel. Und - jede Wette: Es wird niemanden geben, der nicht mit Argusaugen in diese schaut, um zu entdecken, was sie diesmal widerspiegelt. Jawohl, es ist absolut derselbe Blick in den Raum wie auf dem Buchcover - ohne den am Tisch sitzenden Künstler diesmal. Denn der sitzt jetzt woanders, wie wir wissen. Dieses Spiel mit der verschobenen Wahrnehmung schafft Irritationen - macht aber viel Spaß.

Der Rheydter Pfarrer Klaus Hurtz ist ein großer Bewunderer Bert Gerresheims. Er ließ vor die Kirche St. Franziskus einen bemerkenswerten Franziskus aufstellen. Und in St. Marien befinden sich drei Arbeiten des Künstlers - das Kreuz über dem Altar, eine große Pietá und ein versilbertes Bronzerelief. Am morgigen Sonntag kommen acht dazu - als Dauerleihgaben aus der entwidmeten Kirche St. Johannes. Zur Übergabe der Kunstwerke lädt die Pfarre um 11.30 Uhr zur Familienmesse ein. Und am Nachmittag beginnt um 15 Uhr eine Vesper speziell für die Menschen aus St. Johannes, die die Werke damit offiziell an Pfarrer Hurtz übergeben.

Quelle: RP
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