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Mönchengladbach
Blick durch Fenster und in Konservendosen

Mönchengladbach. Lothar Krüll und Michael Saran stellen im Kunstraum No. 10 aus: So unterschiedlich ihre Arbeiten sind, so gut vertragen sie sich. Am Sonntag wird die Präsentation eröffnet. Neugierige werden Erstaunliches entdecken. Von Inge Schnettler

Der Rahmen rahmt nicht, er ist Teil des Bildes. Dafür sorgt Michel Saran. Der Künstler lässt sich von der Größe und den Strukturen des Materials inspirieren und ehrt den Rahmen, indem er ihn in seine Kunst einbezieht. Abstrakt sind seine Bilder nur auf den ersten Blick. Die Titel helfen weiter. "Kein Tag, um das Gras zu schneiden" heißt eines. "Ich wollte im Vorgarten den Rasen mähen, aber es war nass und kalt, da habe ich statt dessen gemalt", sagt Saran. Und so sieht auch das Bild aus. Grau in Grau die Farben, gleichförmig die horizontalen und vertikalen Strukturen. "Nass und kalt halt", sagt der Maler. Schön trotzdem - auch unabhängig von der Erklärung.

Fenster machen Michel Saran neugierig. "Wenn ich nachts durch die Straßen gehe, schaue ich gern in die erleuchteten Zimmer", sagt er. Und dann stellt er sich vor, was hinter der Fassade geschieht. Alles geht: Möglicherweise wird gestritten oder geliebt, geboren, gestorben, gefeiert, geschlafen. Wer weiß. Das Nichtwissen mache es umso spannender, sagt der Künstler. Zwei seiner Fenster-Bilder hängen im vorderen Raum der Galerie Kunstraum No. 10. Beide offenbaren nicht wirklich, ob der Betrachter nach draußen schaut - ins gleißend helle Sommerlicht, oder ob das Fenster möglicherweise Einblick gewährt in ein erleuchtetes privates Zimmer. Ist das wichtig? Nein, das ist nicht wichtig!

Die Konservendosen haben es in sich. Sie sind nicht wirklich Konservendosen - keinesfalls sind sie aus Blech, sondern aus Polyester. Und irgendwie sind sie es doch. Das Kerngehäuse eines Sternanis hat sich hineingebohrt, bei einer anderen ist es das Innenleben einer Lotus-Frucht. "So wird die Dose selbst zur Frucht", sagt Lothar Krüll. Er muss es wissen, er hat sie hergestellt. Der Künstler, der die Kunststoff-Werkstatt der Düsseldorfer Akademie leitet, kennt sich mit dem Werkstoff aus. Und er stellt daraus Behältnisse her, die üblicherweise Lebensmittel beinhalten - Flaschen und Dosen.

Das Verfahren ist kompliziert und erfordert etliche Schritte. Seine PET-Flaschen etwa gießt Krüll mit Polyurethan, einem Kunstharz, aus. Dann entfernt er die Flasche und behält die Form. Diese wird mit Latex umhüllt, diese Form wird wiederum abgenommen. Unter hohem Druck wird Gips eingefüllt, so dass sich die Form ausdehnt wie ein Luftballon. Davon wiederrum nimmt der Künstler eine Negativform, die wiederum als Formgeber benutzt wird. Und so weiter, und so fort. "Das ist eine komplizierte Sache", sagt Lothar Krüll. Er ist bekennender Tüftler und als solcher gern bereit, all die vielen Schritte zu machen. Heraus kommen außergewöhnliche und extrem ästhetische Kunstwerke. Sie stehen auf Sockeln oder hängen an der Wand.

Und wenn nötig, halten sie sich gegenseitig. Wie die acht blauen Flaschen auf dem weißen Sockel. Sieben stehen stabil und sicher, eine hängt bedrohlich über dem Abgrund, würde fallen, wenn die anderen sie nicht stützen würden.

Die Ausstellung der beiden Künstler trägt den Titel "Ein Grund - Farbe". Sie wird am Sonntag, 18. Oktober, eröffnet. Von 11.30 bis 16 Uhr haben Neugierige Gelegenheit, die Werke zu sehen, zu staunen, zu lieben. Die Präsentation im Kunstraum No. 10 an der Matthiasstraße 10 in Eicken ist bis zum 1. November freitags von 17 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags 15 bis 17 Uhr zu sehen.

Quelle: RP
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