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Mönchengladbach
Das "Dazwischen" in Frankens Kunst

Mönchengladbach. Er ist ein gläubiger Mensch. Seine Überzeugung lässt er in seine Werke einfließen. Wolfgang Franken arbeitet an einem 20-teiligen Zyklus, den er demnächst im Kreuzgang des Klosters Neuwerk zeigen wird. Ein Atelierbesuch. Von Inge Schnettler

Wenn klassische Musik und Pfeifenqualm aus dem Atelier dringen, dann weiß seine Frau, dass er arbeitet. Wolfgang Franken verbringt im ehemaligen Kuhstall seines urigen Fachwerkhauses in Rheindahlen viel Zeit, sehr viel Zeit. Seit 40 Jahren schafft er eine sehr besondere Art von Kunst. Seine Werke haben in aller Regel religiöse Aussagen. Derzeit arbeitet er an einem 20-teiligen Zyklus mit dem Thema "Dazwischen". Ab 20. November wird dieser in der Klosterkirche Neuwerk zu sehen sein.

Das Dazwischen, das interessiert den Künstler. "Jeremias hat prophezeit, dass Jesus geboren wird", sagt er, "aber es vergingen 500 Jahre, bis es soweit war." Das ist die Zeit dazwischen. Die hält er in seinen Holzarbeiten fest. Etwa so: In den unteren Bereich setzt er eine goldgefasste Frau - Tochter Zion. Ihr hatte Jeremias die Ankunft Jesu geweissagt. In der oberen Hälfte zeigt er die Ankunft Jesu in Jerusalem. "Die Bewohner haben ihre Kleidung angelegt und ehren ihn mit Palmzweigen." Auf einer anderen Holztafel durchschreitet Jesus das Osttor, das nach dem Glauben der Juden dem Messias vorbehalten ist.

Die Holztafeln besorgt sich Wolfgang Franken in einem Sägewerk. "Ich säubere sie, und sie offenbaren mir sofort, welche Gestaltungsmöglichkeiten in ihnen stecken." Aus den Abfallstücken entstehen die Kunstwerke. Auch wenn Franken mit Hund Kurt unterwegs ist, macht er Entdeckungen. "Ich finde in der Natur immer wieder wunderbare Wurzelstücke und Holz."

Die Figuren, die er auf die Holzplatten setzt, schneidet er nicht, er reißt sie. Dadurch wirken sie äußerst lebendig. Im Wald hat er zwei halbrunde Baumscheiben gefunden. Daraus hat er das rote Meer gestaltet, das von Moses geteilt wurde. "Es ist absolut fantastisch, welche Formen uns die Natur schenkt." Eine sehr große Tafel zeigt Abraham als den Urvater aller monotheistischen Religionen - Judentum, Christentum und Islam. "Diese Darstellung sollte in der Lage sein, zwischen den Glaubensrichtungen zu vermitteln", sagt Wolfgang Franken.

Der Künstler gestaltet gern Engel - die Behüter der Menschen. "Das ist so tröstlich in einer Zeit, in der es so wenig Zuversicht, Glaube und Hoffnung gibt." Mit seinen Arbeiten möchte er die Menschen zum Einhalten bringen und zum Nachdenken. "Vor 30 bis 40 Jahren hat man mir gesagt, mit dieser Kunst kannst du niemanden begeistern." Das stimmt keineswegs. Zu seinen Ausstellungen kommen viele Menschen. So also ganz sicher auch am Sonntag, 20. November, 15 Uhr, wenn seine Ausstellung im Kloster Neuwerk eröffnet werden (danach vom 21. bis 24. November, jeweils 15 bis 16 Uhr geöffnet).

Quelle: RP
 
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