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Mönchengladbach
Das Projekt "Oberstadt" startet morgen

Mönchengladbach. Wer morgen in das Ladenlokal an der Hindenburgstraße geht, sollte etwas mitnehmen - Speis und Trank etwa. Aber auch Musikinstrumente - oder sonst was. Niels Coppens hat die Räume hergerichtet, sie warten auf Wiederbelebung. Von Inge Schnettler

Die Regeln stehen Schwarz auf Weiß geschrieben: Nicht rauchen! Respekt! Die To-Do-Liste hängt daneben: Toiletten säubern! Leere Flaschen und Müll raus! Dazwischen hängt ein Bild im geschnörkelten Rahmen. Ein Blick aufs Meer ist es. Und hängt auf dem Kopf. Ebenso wie eine gemalte Waldidylle. Die hat ihren Platz im Unterbau der alten hölzernen Eckbank gefunden. kopfüberr - selbstverständlich. Wer sich auf dem Möbel niederlässt, sich nach unten beugt und durch seine Beine schaut, sieht es richtig herum. Die beiden alten Schinken hat Niels Coppens im seit Ewigkeiten leerstehenden Hotel Oberstadt an der Hindenburgstraße 20-22 entdeckt. Ebenso die Sessel, das Sofa, diverse Kommoden, den Garderobenständer aus Messing. Den Kühlschrank hat jemand vorbeigebracht.

Der neue Atelierstipendiat hat den Ort gefunden, den er suchte. Das Ladenlokal im Hotelgebäude wird in den nächsten drei Monaten den Projektraum bieten, den der belgische Künstler braucht, um das zu tun, was ihm wichtig ist. Niels Coppens ist Teil des belgischen Kollektivs "Toestand", das seit Jahren erfolgreich in Brüssel vergessene Räume mit soziokulturellen Kunstprojekten wiederbelebt. Mit ihren eigenen Ideen kreieren sie einen Nährboden, auf dem Menschen füreinander gemeinsam etwas schaffen. Das soll nun auch in Mönchengladbach passieren.

Er fühlt sich wohl in den Räumen, die er komplett schwarz gestrichen hat. "Ich bin nicht einsam, es kommen immer wieder Menschen herein." Manche bleiben. Seitdem Niels Coppens seine Arbeit in dem Ladenlokal aufgenommen hat, hat er für Neugierde und Interesse gesorgt. Die Tür steht offen, Eintreten erwünscht. "Wir reden miteinander, und wenn es gut läuft, arbeiten wir zusammen", sagt der Künstler. "Jeder macht das, was er am besten kann." Beispielsweise beim Bau der mobilen Theke helfen. An der sollen am Sonntag, wenn das Projekt Oberstadt offiziell startet, frische Säfte gepresst werden.

Eine, die immer wieder vorbeikommt, ist die Design-Studentin Katja Möltgen. "Ich wohne um die Ecke, wenn ich Zeit habe, komme ich rüber." Sie hat viel Spaß an dem Projekt, findet die Herangehensweise von Niels Coppens klasse. "Er verwandelt einen leeren in einen dynamischen Raum. Er zeigt, wie man die Stadt neu beleben kann." Und das sei gerade an der oberen Hindenburgstraße mit dem großen Leerstand erfrischend.

Die Eröffnungsfeier beginnt morgen um 15 Uhr und dauert bis 20 Uhr - oder so. Und was geschieht konkret? "Mal sehen", sagt Niels Coppens. "Das kommt ganz darauf an, was die Menschen mitbringen." Etwas zu essen beispielsweise oder zu trinken - oder was sonst so. Für Live-Musik hat Niels Coppens gesorgt. "Das ist der Beginn", sagt Coppens. Drei Monate lang wird er diesen Ort mit Dynamik füllen. Und er hofft, dass die Stadt ein Fortführen des Projekts auch nach dem Ende seines Stipendiums ermöglichen wird. "Es muss nicht das Hotel Oberstadt sein, jedes leerstehende Gebäude ist nutzbar."

Wer heute schon mal reinschnuppern möchte - oder auch mit anpacken - findet Niels Coppens und seine Mitstreiter ab 12 Uhr im Ladenlokal an der Hindenburgstraße. "Wir bleiben bis wir müde sind", sagt der Künstler, packt sich ein paar Holzlatten und arbeitet weiter.

Quelle: RP
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