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Mönchengladbach
Der junge Pianist Alexej Gorlatch begeistert im Meisterkonzert

Mönchengladbach. Alexej Gorlatch hat es schon früh zu etwas gebracht. "Zu etwas" heißt, dass der 1988 in der Ukraine geborene, noch keine 30 Jahre alte Pianist schon bedeutende Preise gewonnen und die renommiertesten Konzertsäle der ganzen Welt erobert hat. Seit 1991 lebt er in Deutschland. Über Blockflöte und Keyboard kam er als Kind zum Klavier. Neben seinen unüberhörbar gründlichen Klavierstudien hat er dann noch wie nebenbei sein Abitur gemacht. Und er hat sich zu einem umgänglichen und freundlichen Menschen entwickelt, dem offenbar sein früher Ruhm nicht im Geringsten zu Kopf gestiegen ist. Von Gert Holtmeyer

Pianistisch, das war im gut besuchten fünften Meisterkonzert in der Kaiser-Friedrich-Halle schnell zu spüren, steht er über den Anforderungen; dazu zeichnet sich sein Klavierspiel durch eine lockere, unverbrauchte Frische aus. Mit Beethoven und Chopin hatte er sich zwei Komponisten ausgesucht, die ihm ganz offensichtlich besonders am Herzen liegen. Dabei zeigte er zugleich die Spannweite der Ausdrucksskala beider Komponisten auf. Beethovens sechs Variationen op. 34 atmen über weite Strecken die muntere Anmut eines Joseph Haydn. Dabei stecken sie voller kompositorischer Eigenwilligkeiten. Was, neben der perfekten Technik und dem mitreißenden Fluss das Klavierspiel des Alexej Gorlatch besonders auszeichnet, ist sein ausgefeiltes, ganz geheimnisvoll gestaltetes Pianissimo. Das zeigte sich bei Beethoven genau so wie bei Chopin. Auch in vergleichsweise fröhlichen Partien spürt er versteckte Melancholie auf.

Umgekehrt fehlt ihm keineswegs der Sinn fürs Harte und Dramatische. Sich davon zu überzeugen, bot Beethovens 17. Klaviersonate, durchaus mit Recht "Der Sturm" genannt, reichlich Gelegenheit. Souverän lotete Gorlatch die Stimmungsgegensätze des Werkes aus.

Das gilt auch für seine Chopin-Interpretation. Zart und freundlich ließ er die Barcarolle (op. 60) erklingen. Umgekehrt ließ er keinen Zweifel, dass der b-moll-Sonate op. 60 ein düsterer Grundton eigen ist. Das gilt nicht nur für den berühmten Trauermarsch, der schon bei den Begräbnissen von Politikern unterschiedlichster Couleur zu hören war, ob sie nun Churchill, Tito, Kennedy, Breschnew oder Margaret Thatcher hießen. Auch das Scherzo, das brachte Gorlatch deutlich zum Ausdruck, enthält mehr Dunkles und Drohendes als Scherzhaftes.

Das begeisterte Publikum durfte noch zwei Zugaben hören, eine virtuose Etüde (Nr. 1) und eine träumerische Mazurka.

Quelle: RP
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