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Mönchengladbach
Der Meister-Nachmaler

Mönchengladbach. Der Violinist Dennis Latzko ist Mitglied der Niederrheinischen Sinfoniker. Er hat die Kunst der "Gefälschten Originale" perfektioniert. Von Falk Janning

Dennis Latzko hat fernab von Kunstgalerien und den bekannten Museen ein Kleinod der ganz besonderen Art: sein eigenes Wohnhaus und Atelier nämlich. Was es dort zwischen antiken Möbeln auf drei Etagen zu sehen gibt, ist ein Erlebnis und wirklich verblüffend. Dort hängen Werke von Gauguin, Monet, Matisse, Picasso, Kandinsky und vielen anderen Meistern der Malerei dicht an dicht. Doch es sind nicht die für Millionen Euro gehandelten Originale, sondern täuschend echte Kopien.

Die Bilder sind thematisch geordnet, es gibt ein Venus-Zimmer und einen Raum mit Werken aus dem Rokoko, die Madame de Pompadour zeigen, wie sie Francois Boucher 1756 gesehen hat. Im Erdgeschoss erhebt sich zwei Meter hoch das weltberühmte "La Barbarina" aus dem Jahr 1744. Es ist nicht das Original von Antoine Pesne, das im Schloss Charlottenhof in Potsdam hängt, sondern eine beinahe genauso große Kopie des atemberaubenden Motivs der Tänzerin Barbara Campanini.

Der 62 Jahre alte Geiger ist Mitglied der Niederrheinischen Sinfoniker am Gemeinschaftstheater. Als Maler ist er Autodidakt, malt und zeichnet, seit er denken kann. Die älteste Erinnerung ans Zeichnen hat der gebürtige Chicagoer, wie er als Achtjähriger zu Besuch bei seiner Oma in New York war. "Ich habe ein Bild von Gauguin abgemalt und war so vertieft und fasziniert, dass ich gar nicht gespürt habe, dass es drei Uhr morgens wurde. Meine Oma hat mich gewähren lassen."

Zum Musikstudium kam Latzko später nach Wien und Köln. Seine erste Anstellung bekam er in Krefeld - und blieb bis heute. Seit mehr als 30 Jahren wohnt er nun schon hier.

In seinem Atelier unterm Dach ist es aufgeräumt, sein jüngstes Werk hat er beendet. "Wenn ich ein Bild beendet habe, bin ich fix und fertig, dann muss ich ein, zwei Wochen pausieren und neue Kraft sammeln", sagt der Künstler. Es riecht nach Terpentin und Harz. Auf dem Tisch drängen sich Pinsel, Pigmente und Lösungen. "Normalerweise sieht es hier chaotisch aus und vieles liegt auf dem Boden", sagt er.

Im Laufe der Jahre hat er sein Maltalent perfektioniert, er fertigt die Werke mit einer fantastischen Qualität an. "Natürlich ist das alles nichts mehr als Handwerkskunst", sagt er. "Schließlich erschaffe ich nichts Neues. Die Bilder sind - wie bei meiner Arbeit als Musiker - nur Reproduktion, mit Genialität hat das also nichts zu tun." Er beherrsche die alten Techniken und wisse, wie wichtig die richtigen Pigmente seien. Als Künstler habe er ein Auge dafür, dass alles zu einem stimmigen Bild zusammengefügt werde.

Der zweifache Vater nimmt seine Arbeit äußerst ernst, malt fast täglich. Für manche Bilder hat er drei Monate gebraucht. "Extrem schwierig sind großflächige Hautpartien." Schicht für Schicht trägt er auf, jede wird eigens angerührt. Zuerst wird Leim aufgetragen, dann folgen Kreidegrund, Ölfarbe und Fixierung. Latzko spricht nicht vom Kopieren. Er malt die Bilder noch einmal, versetzt sich in den Maler hinein, versucht den Entstehungsprozess nachzuahmen, so zu denken wie der Künstler und die Stimmung einzufangen. Der Künstler ist mit Recht stolz auf sein Werk. Es ist für ihn "ein großer Genuss und eine Freude. Wer hat schon so ein Museum zu Hause?", sagt er. Bislang hat er nur für sich gemalt. Nun geht er mit Hilfe des Theaters aber auch an die Öffentlichkeit und zeigt seine Bilder.

Quelle: RP
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