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Mönchengladbach
Die Alten, die sich widersetzen

Mönchengladbach. Christoph Poschenrieder stellte in Gladbach seinen neuen Roman "Mauersegler" vor. Mit viel Witz befasst er sich mit einem ernsten Thema: dem Tod. Fünf alte Freunde ziehen in eine WG und wollen ihr restliches Leben selbst bestimmen. Von Ansgar Fabri

Autor Christoph Poschenrieder bleibt nicht lange an der Oberfläche. Wie er bei seiner Lesung in der Buchhandlung Wackes zeigte, führt sein vierter Roman "Mauersegler" von der beschaulichen Ausgangssituation einer Alten-WG zügig in eine Lebenswelt, in der es um die letzten Schritte im Leben, selbstbestimmtes Sterben, eine hoch-technisierte Sterbebegleitung und ein "Todesengelprogramm" geht.

"Sehr mutig, aber auch sehr wohltuend", merkte Rita Mielke an, die die Veranstaltung moderierte und den Autor vorstellte: Christoph Poschenrieder, 1964 bei Boston geboren, studierte an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München und absolvierte an der Columbia-Universität die Journalistenschule. Er arbeitete als Zeitungsredakteur und Videojournalist und verfasste darüber hinaus Handbücher für Computersoftware und programmierte selbst Lernsoftware. Wer diese biografischen Eckpfeiler des Autors kennt, kann die Protagonisten aus "Mauersegler" gleich besser einordnen.

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht des Ich-Erzählers Carl, einem ehemaligen Journalisten und Philosophiedozenten. Er lebt in der Alten-WG mit Ernst, einem betagten Programmierer und Softwareunternehmer, Wilhelm, einem Juristen, Heinrich, der als Lebensmitteltechnologe gearbeitet hat und Siegfried, der auf eine Karriere als Theaterregisseur und Intendant zurückblickt. Eine typische Männer-Bude, die vermutlich genauso aussieht, wie eine Studenten-WG - Geschirr in der Spüle, Krümel auf dem Boden und jede Menge Flaschenpand.

Die Betagten sind ganz unterschiedliche Typen, die zusammen aufwuchsen, damals im Dorf noch zu sechst, dann war es einer weniger und die fünf blieben beste Freunde bis ins hohe Alter. Fast wie Kinder wollen sie sein, machen, wonach ihnen der Sinn steht. Auf keinen Fall aber, was von ihnen erwartet wird. Zu lange haben sie sich an Regeln und Vorgaben gehalten, jetzt wollen sie sich gehenlassen.

Die Figuren seien überzeichnet, merkte Poschenrieder im Gespräch mit Mielke an. Leben und Ableben sind die zentralen Themen des Buches, das er, wie er betont, nicht als Thesenroman verstanden haben möchte. Die Lesesequenzen wichen von der Ereignisreihenfolge im Buch ab, wie Poschenrieder erklärte. Er lieferte bereits zu Beginn Orientierungshilfe bezüglich des Titels: "Ich habe mich in meinem Leben für genau vier Vögel interessiert: die Lerche, die Amsel, den Spatz und den Mauersegler", las Poschenrieder und erläuterte: Die Lerche stehe für die Kindheit, die Amsel für die Jugend, der Spatz für das Erwachsenendasein und der Mauersegler für das Alter. Seit dem 26. August gibt es das Buch von Christoph Poschenrieder zu kaufen. "Seltsam: Alle haben Angst vor dem Tod, aber keiner macht sich Gedanken, wo er vor seiner Geburt gewesen ist." So beginnt der Autor den Roman, so beendet er ihn. Das Thema ist ernst, der Humor schwarz. Über den Tod des Mauerseglers schrieb Poschenrieder: "Der Mauersegler legt die Flügel an und will nicht mehr fliegen. So soll es auch mit mir zu Ende gehen."

Quelle: RP
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