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Mönchengladbach
Die heilsame Kraft des Singens

Mönchengladbach. Zu vertrauten Liedern singen Demenz-Patienten oft alle Strophen mit. Um das darin liegende Potenzial zu stärken, bildet die VHS Singleiter aus. Von Angela Wilms-Adrians

Vieles mag in Vergessenheit geraten und unwiederbringlich verloren gehen, aber offensichtlich nicht die Lieder, die in jungen Jahren gerne und oft gesungen wurden. "Es ist faszinierend, wie sogar schwer demente Menschen über das Singen wieder zum Leben finden. Dann singen sie plötzlich vier Strophen und mehr mit", begeistert sich Frank Füser über die emotionale Kraft der Musik. Der Fachbereichsleiter betreut ein großartiges Projekt: die Weiterbildung zur Singleiterin für Altenheime und Senioren an der VHS.

Natürlich könnten sich ebenso gut Männer ausbilden lassen, doch zu dem von Isabelle Razawi durchgeführten Kurs hatten sich bisher nur Frauen angemeldet. Die Sopranistin, Musikwissenschaftlerin und Pädagogin, bekannt durch ihr früheres Engagement an den Vereinigten Städtischen Bühnen, weiß um die Bedeutung des Singens für Senioren. Sie ließ sich speziell für das heilsame Singen ausbilden und singt mit Menschen in Altenheimen, die der Sozialholding angeschlossen sind. Die Nachfrage nach Singleitern ist dort groß, sehr groß. Darum bildet die VHS nun einen Pool qualifizierter Kräfte aus.

An drei aufeinanderfolgenden Wochenenden setzten sich 15 Teilnehmerinnen mit Stimm-, Atem- und Körperübungen, Grundlagen für die Gestaltung einer Senioren-Singgruppe, Sensibilisierung für die Wirkung von Stimme, Liedern und Klängen, der Rolle der Singleitung und anderen Inhalten mehr auseinander. Sie probten beim Einsatz von Klanghölzern auch den Umgang mit taktilen Hilfsmöglichkeiten für einfache körperliche Reaktionen.

Im Kurs zeigte Razawi zum Beispiel, wie bewusstes Atmen die Klangwahrnehmung verstärkt. So gewann das Singen im Kreis nebenbei eine körperlich mitreißende Dynamik. "Wir müssen lernen, mit unserer inneren Flöte umzugehen", sagte die Sängerin, die beim bewussten Atmen durchaus eine Verbindung zwischen Yoga und dem Singen sieht. An der Gruppe schätzt sie besonders die Verschiedenheit der Erfahrungen. Gekommen waren Sängerinnen, Laienmusikerinnen, Altenpflegerinnen und ehrenamtlich Tätige.

Gesundheitstherapeutin Martina Neikes hat bereits bei ihrer Arbeit beobachtet, wie das Singen hilft, Zugang zu alten Menschen zu finden. Darin sieht die 52-Jährige "meine Zukunft" für ihre Arbeit. Die 23-jährige Miriam Küpper studiert Musik auf Lehramt und beschäftigt sich in ihrer Bachelorarbeit mit der Bedeutung des Singens für alte Menschen. Im Kurs fand sie neue Möglichkeiten zur Selbsterfahrung im Umgang mit der eigenen Stimme zum Wohle anderer. Anna Schmidt, ausgebildete Sängerin, singt auf ehrenamtlicher Basis mit alten Menschen im Elisabeth Krankenhaus. Sie ist fasziniert, wie über das Singen sogar Tele des Sprachzentrums reanimiert werden können. Das Singen mit Demenzerkrankten ist für sie auch ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Betroffenen.

Quelle: RP
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