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Mönchengladbach
Die Stadt kommt ins Museum

Mönchengladbach. Welche Beziehung haben junge Künstler zur Öffentlichkeit? Die Sommerausstellung im Museum Abteiberg gibt Antworten. Sie verblüffen. Von Inge Schnettler

Palina Vetter hat den anstrengend-sten Job. In regelmäßigen Abständen wird sie den zentralen Punkt zwischen den unteren Kleeblatträumen betreten und an der Stange, die dort zwischen Boden und Decke befestigt ist, sehr reduzierte Bewegungen ausführen. Das wird sie an jedem Tag der Ausstellung "Von den Strömen der Stadt" zwei Stunden lang machen - bis zum 23. Oktober. Diese Art von künstlerischem Poledance wird die Besucher irritieren, möglicherweise amüsieren, die Dauerperformance wird allerdings auch für große Spannung sorgen - und für viel Bewegung. In einer Ausstellung, die ohnehin mit visuellen und akustischen Effekten nicht geizt.

18 Positionen gilt es im Museum Abteiberg zu entdecken, die Künstler sind jung - 19 bis 35 Jahre -, und sie haben das Thema Kunst im öffentlichen Raum weiß Gott anders umgesetzt als alle Künstlergenerationen vorher, anders auch, als es von den Kuratoren erwartet wurde. Sie stellen ihre Werke nicht auf Plätze oder in Parks, sie holen das Öffentliche in das Hollein-Haus. Die Stadt strömt ins Museum. "Wir haben uns gefragt, ob das Thema Öffentlichkeit überhaupt interessant und relevant für die junge Künstlergeneration ist", sagt Susanne Titz. Die Museumsleiterin hat - wie schon beim Projekt "Ein ahnungsloser Traum vom Park" - die Ausstellung gemeinsam mit dem Düsseldorfer Kurator Markus Ambach konzipiert. "Der ahnungslose Traum vom Park schaut sich jetzt mal an, was hier passiert", sagt sie.

Es passiert eine ganze Menge. Die Künstler nutzen "ihre" Medien, um dem Thema auf die Spur zu kommen - Film, Animation, Video und Fotos. Pola Sieverding beispielsweise hat die seelenlosen Fassaden von Hochhäusern an die Wand gebracht. Davor spielt sich auf vier Bildschirmen das vielleicht wahre Leben ab. Menschen sind zu sehen - Tänzer, Boxer, Wrestler. Durch und durch ästhetisch erscheinen sie, sinnlich - auch die durchtrainierten Sportlerkörper, die von der Kamera sanft gestreichelt werden. Die Künstlerin hat der Stadt eine Bühne geschaffen, das Draußen in den Schutz des Museums geholt.

Das Objekt "Desti-Nation" der Schweitzer Künstler Baltensperger + Siepert steht still, obwohl gerade dieser Prototyp einer Boje sich bewegen kann - mittels einer Schiffsschraube, die durch Solarenergie angetrieben wird. Das signalrote Objekt mit den blinkenden Lampen ist im Museum Abteiberg gestrandet. "Die Boje ist dazu gedacht, Flüchtlinge sicher über das Meer zu führen", sagen die Künstler. Dabei sei die Boje nicht wirklich geeignet, die Flüchtlingsproblematik zu lösen. "Die hat ganz andere Ursachen, und wir sollten daran arbeiten, diese zu beseitigen." Im kommenden Herbst wird die knallrote Boje den Lago Maggiore überqueren und so die Schweiz und Italien miteinander verbinden.

Der Museumsbesucher sollte sich Zeit nehmen für diese Ausstellung. Es gibt Rauminstallationen - etwa die von Fari Shams, die nicht nur entdeckt, sondern auch erfahren werden wollen. Projektionen an drei Wänden lassen sich ungestört ansehen und verstehen mittels der bereitgelegten Kopfhörer. Auch im Unterrichtsraum und im Vortragssaal gibt es Installationen. Und im Vortragssaal. Und und und. Ein Künstler ist mit seiner Arbeit tatsächlich in den öffentlichen Raum gegangen. David Bernstein hat seinen Fiat Multipla in den Skulpturengarten gestellt. Wer möchte, kann sich reinsetzen, Musik hören und das Museum betrachten.

Ausstellungseröffnung und Programm: Sonntag, 3. Juli, ab 12 Uhr. Eintritt frei.

www.museum-abteiberg.de

Quelle: RP
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