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Mönchengladbach
Drei Männer am Rande des Wahnsinns

Mönchengladbach. Produzent David O. Selznick hat die Dreharbeiten zu "Vom Winde verweht" unterbrochen und den Regisseur gefeuert. In fünf Tagen muss das neue Stück stehen. "Mondschein und Magnolien" feiert am Freitag Premiere im Studio des Theaters. Von Inge Schnettler

Franziska Marie Gramss kann wundervoll erzählen - mit viel Temperament, beredter Gestik und großer Begeisterung. Letztere sprang unmittelbar auf die Besucher der Matinee im Café Linol über, die gekommen waren, um vor der Premiere am Freitag, etwas über die Komödie "Mondlicht und Magnolien" zu erfahren. Die Regisseurin des Stücks saß nicht alleine auf der kleinen Bühne, die Schauspieler Christopher Wintgens und Paul Steinbach sowie der Dramaturg Martin Vöhringer weckten gemeinsam mit ihr große Vorfreude auf das komische Schauspiel.

Die Geschichte geht so: Der Produzent David O. Selznick (Paul Steinbach) hat seinen Regisseur gefeuert und die Dreharbeiten zu "Vom Winde verweht" unterbrochen. Pro Tag macht er 50.000 Dollar Verlust. Wenn er nicht innerhalb von fünf Tagen mit neuem Drehbuch und neuem Regisseur loslegen kann, ist sein Studio ruiniert. Ben Hecht (Adrian Linke) ist der neue Autor. Er hat leider nur die ersten paar Sätze des 1037 Seiten starken Buchs von Margaret Mitchell gelesen - und die auch nur mit viel Überwindung. Selznick zieht die Vorhänge zu, lässt seine Sekretärin Miss Poppenghul (Eva Spott) Bananen und Erdnüsse (sonst nichts!) bringen und schließt sich mit Ben Hecht und dem neuen Regisseur Victor Fleming (Christopher Wintgens) in seinem extrem übermöblierten Büro ein. Die drei Männer sind schnell hart am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Steinbach und Wintgens lasen gemeinsam mit Franziska Marie Gramss, die den wegen eines Gastspiels in Süddeutschland verhinderten Adrian Linke vertrat, ein bis zwei Szenen an. Allein diese kurzen Passagen reichten, um den Spaß der Akteure auf das Publikum im Café Linol überschwappen zu lassen. "Ja, stimmt, wir haben ziemlich viel Freude bei den Proben", sagte Gramss.

Dabei arbeitet das Stück nicht nur mit Slapstick-Elementen. Die Geschichte, die in den amerikanischen Südstaaten spielt, hat durchaus auch politische und moralische Botschaften - es geht auch um Rassismus, um bedrohte Existenzen und um Freundschaft. "Im Stück prallen Künstlerpersönlichkeiten aufeinander", sagt Martin Vöhringer. Produzent Selznick will die Politik herauslassen, will nur das Menschliche zeigen, Regisseur Ben Hecht findet das unmöglich. Die fünf Tage in Selznicks Büro sind der komplette Wahnsinn. Die Freundschaft, die Hecht und Fleming mit Selznick verbindet, verhindert Schlimmeres.

Ron Hutchinsons Komödie "Mondlicht und Magnolien" wurde 2004 in Chicago uraufgeführt. Es ist eine Hommage an die Traumfabrik Hollywood - zu gleichen Teilen Traum wie Fabrik. "Wir sind bei der Umsetzung des Stücks vielleicht zu einer verrückten und etwas merkwürdigen Art gekommen - ich mag es", sagte Franziska Marie Gramss. Die Freude am Übertreiben, die könne sie im Theater ausleben - das ginge weder im Film noch im Fernsehen, sagte sie.

Ganz viel Sorgfalt wurde auch auf die Bühnenausstattung gelegt. "Bis wir mal das passende Sofa für das Stück gefunden haben . . .", stöhnte Paul Steinbach sehr schön theatralisch. "Das Stück spielt in einem total vollgestellten Büro", sagte Martin Vöhringen. "So würde sich ein normaler Mensch niemals einrichten." Aber - was ist schon normal?

Premiere am Freitag, 21. Oktober, 20 Uhr, im Studio des Theaters. Karten unter 02166 6151-100 und www.theater-kr-mg.de

Quelle: RP
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