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Mönchengladbach
Ein Abenteuer für den guten Zweck

Mönchengladbach: Ein Abenteuer für den guten Zweck
Sieben Tage lang werden die zwölf Schüler des Gymnasiums am Geroweiher von Chieming am Chiemsee bis nach Berchtesgaden wandern. Wo sie während der Wanderung übernachten werden, ist noch offen. FOTO: Felix Nattermann
Mönchengladbach. Diesen Freitag geht es für zwölf Schüler des Gymnasiums am Geroweiher wieder auf eine siebentägige Spendenwanderung - den sogenannten "Haik". Die Schüler organisieren alles selbst, das Geld wollen sie dann an Obdachlose spenden. Von Marei Vittinghoff

Wo sie schlafen, was sie essen und wem sie auf ihrer Reise begegnen werden: All das wissen die zwölf Schüler des Gymnasiums am Geroweiher noch nicht. Ob sie wieder in Tagungsräumen, Feuerwehrwachen oder Kirchen übernachten werden? Oder sich nach einem anstrengenden Tag in einem Bauernhof zur Ruhe legen? Was hier wie ein völlig unvorbereiteter Urlaub klingt, ist in Wahrheit das Ergebnis monatelanger Planung. Denn die insgesamt zwölf Schüler der siebten bis elften Klasse, die sich vom 7. bis zum 13. Juli in das Abenteuer "Haik" stürzen werden, sind alles andere als ahnungslos. Ein halbes Jahr lang haben sie sich mittwochs nach der Schule getroffen und zusätzlich über die sozialen Medien in ihrer Freizeit weiter gearbeitet und diskutiert. Nun steht die Reise kurz bevor: Sieben Tage geht es für möglichst wenig Geld etwa 70 Kilometer zu Fuß von Chieming am Chiemsee über Ufering und Freilassing nach Salzburg und dann über die Berge weiter nach Marktschellenberg und Berchtesgaden, wo die Reise schließlich enden wird.

Bereits zum dritten Mal findet der sogenannte "Haik", ein Spendenlauf des Gymnasiums am Geroweiher, unter der Leitung von Lehrer Felix Nattermann statt. Die Hauptorganisation der Wanderung wird aber ausdrücklich nicht von den Lehrern übernommen, sondern von den Schülern selbst. Denn auch das gehört fest zum "Haik" dazu: "Lernen, selbstständig zu werden und Verantwortung für etwas zu übernehmen", erklärt Lehrer Nattermann. Da das Projekt viel Zeit, Durchhaltevermögen und Initiative von den Schülern in Anspruch nimmt, mussten diese sich zuvor schriftlich für den "Haik" bewerben, erklären warum sie mitmachen wollen und beschreiben, was für ein Typ Mensch sie sind. Im Unterschied zu den vergangenen Jahren gibt es dabei eine große Neuerung: Zum ersten Mal nehmen auch Schülerinnen teil. "Viele Mädchen haben sich sonst nicht getraut, aber jetzt ist das Geschlechterverhältnis ausgewogen", sagt Schülerin Jule.

Kaum waren die zwölf Wanderer ausgewählt, wartete auf sie schon ein straffes Programm: T-Shirts und Wimpel für den "Haik" mussten gestaltet, Zelte (so genannte Kohten) von Pfadfindervereinen ausgeliehen, der Umgang mit Kompass und Karte geübt und der genaue Verlauf der diesjährigen Strecke festgelegt werden. Neben Teamübungen und einem "Mini-Haik", auf dem an einem Wochenende im Wald schon einmal alles für den "Ernstfall" geprobt wurde, stand auch die Bestimmung eines Projekts auf dem Plan, für das die Schüler sich in diesem Jahr auf den Weg machen wollen. "Wir wollten etwas Regionales machen, über das wir später sagen können: Wow, das haben wir jetzt bewirkt", sagt die 15-jährige Alexandra. Darum entschieden sich die Schüler für das Projekt "Little Home" des Kölners Sven Lüdecke, der kleine Wohnboxen für Obdachlose baut und verschenkt. Nach ihrer Rückkehr vom "Haik" wollen sie sich selbst an die Arbeit machen und zusammen mit Lüdecke und einigen Obdachlosen ein paar Boxen konstruieren. Um das Material finanzieren zu können, haben die Schüler verschiedene Firmen angeschrieben und um Spende gebeten: 3000 Euro sind ihr Zielbetrag, über 1000 Euro haben sie schon zusammen. Auf ihrer Schulseite berichten die Schüler dann live von ihren Erlebnissen während der Reise. Dass dabei wohl die ein oder andere abenteuerliche Geschichte dabei sein wird, ist schon jetzt klar: "Wir wissen ja nicht, wie das Wetter wird oder wie die Leute sind", sagt Jule. Denn nach einer 10-Stunden-Bergwanderung mit bis zu 20 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken, müssen sich die Schüler erst einmal in den Dörfern und Städten auf den Weg nach einer kostenfreien Übernachtungsmöglichkeit machen. "95 Prozent der Leute lehnen zunächst ab, aber irgendwann kommt doch immer wieder jemand, der etwas kennt. Es ist einfach toll, auf diese Weise neue Leute kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen", erzählt Nattermann.

Damit alles so klappt, wie es soll, haben die Schüler untereinander verschiedene Jobs aufgeteilt: Von der Küche über den Materialwart bis zum Quartiermeister ist alles dabei. Ein Leiter - ebenfalls ein Schüler - schaut dann jeweils, ob alle ihre Jobs auch erledigt haben. Und auch ein passendes Motto haben sie sich wieder ausgedacht - "Mission grenzenlose Menschlichkeit": "Wir erleben einfach so viel Menschlichkeit unterwegs. Die wollen wir nach unserer Reise weitergeben", erklärt Lehrer Nattermann.

Wer die Schüler noch als Sponsor unterstützen möchte, kann sich per E-Mail an haik@gag-if.de an sie wenden.

Quelle: RP
 
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