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Mönchengladbach
Ein gelungener Abend bei Regers

Mönchengladbach. Niemand kann behaupten, dass in der Evangelischen Hauptkirche Rheydt in diesem Jahr zu wenig an den 100. Todestag von Max Reger erinnert würde. Aber bisher, so der musikalische Hausherr Udo Witt, standen die Orgelwerke im Vordergrund. "Doch", so Witt, "seine Kammermusik und besonders sein Liedschaffen warten noch darauf, wieder entdeckt zu werden." Witt konzipierte ein informatives, dramaturgisch stimmig aufgebautes Programm, in dem Regers Leben skizziert, seine Gefühle und die seiner Frau durch verbürgte Quellen nahe gebracht und die durch diese Beziehung inspirierte Musik live vorgetragen wurde. 1899 lernte der 1973 geborene Max Reger die soeben geschiedene Elsa von Bercken kennen. Es folgten eine tiefe Liebe und eine zuerst glückliche, später problematische Ehe. Davon künden die Briefe und Berichte der Partner. Die der Ehefrau sind mitunter geschönt, was andere zeitgenössische Quellen verdeutlichen. Von Gert Holtmeyer

Von all dem entstand ein lebendiges Mosaik. Ronny Tomiska, Schauspieler am Theater Krefeld-Mönchengladbach, las aus Regers Briefen, Franziska Buchner, Mezzosopranistin aus Lübeck, übernahm die Partie seiner Frau und sang die Liebeslieder, die Reger für Elsa komponierte. Die Begleitung am Klavier übernahm Udo Witt, der auch die verbindenden Texte sprach.

Es waren sehr zärtliche, romantische Lieder, die Reger seiner großen Liebe gewidmet hatte und die von Buchner und Witt einfühlsam vorgetragen wurden. Dass das große Glück der Regers nicht dauerte, machten Biografie und Quellen deutlich. Einige Jahre mit der Schwiegermutter in einem Haus zu leben, war gar nicht mal Regers großes Problem. Aber seine durch viele Konzertreisen bedingte häufige Abwesenheit, seine Konzentration aufs musikalische Schaffen und nicht zuletzt ihre Abneigung gegen den Wohnort Leipzig sorgten für immer größere Spannungen.

Die von Witt versprochene Kammermusik beschränkte sich nicht auf die Lieder. Zu Regers herausragenden Werken gehört seine selten aufgeführte Chaconne für Violine Solo. Der Titel lässt zu Recht vermuten, dass bei dieser Komposition Bachs berühmte zweite Partita impulsgebend war. Nicht im Sinne von Plagiat, Reger kombinierte geschickt Bachsche Stilelemente mit eigenen Ideen. Das Werk ist voll gespickt mit geigerischen Schwierigkeiten. Furchtlos hatte sich Eva Dörnenburg mit dieser beachtlichen Komposition auseinandergesetzt und begeisterte die zahlreich erschienen Zuhörer mit einer kompetenten Interpretation. Unter den dankbaren Zuhörern befand sich auch Heide Lethaus. Die eigens aus Berlin angereiste Künstlerin schuf zwölf Collagen zu Regers 100. Psalm. Der wird zum Abschluss des Reger-Jahres in der Hauptkirche aufgeführt: am Samstag vorm ersten Advent um 19.30 Uhr.

Quelle: RP
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