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Mönchengladbach
Ein sehr Schwarzer in einem sehr deutschen Chor

Mönchengladbach. Das Recherche-Doku-Stück über Flüchtlinge "Kein schöner Land" hat morgen Premiere im Theater. Von Armin Kaumanns

Das ist - wie überhaupt das meiste an diesem Stück - wirklich passiert: Eines Abends kommt ein Schwarzer zu einer Chorprobe in einem bayerischen Gemeindehaus und möchte mitsingen. Erst großes Hallo, dann zunehmend fremdenfeindliche Sprüche. Ziemlich bald ist der Flüchtling, so gut er auch singt, der, an dem sich die Geister, Gesinnungen und Gefühle scheiden. Der Autor Lothar Kittstein und sein dem Gemeinschaftstheater bestens vertrauter Kollege Hüseyin Michael Cirpici haben letzten Winter um diese Geschichte ihr "Recherche-Doku-Stück", wie Schauspieldirektor Andreas Gehrt es formuliert, geschrieben, das nach der Uraufführung in Krefeld jetzt im Theater Mönchengladbach gespielt wird. Samstag ist Premiere. Es nimmt das Thema Flüchtlinge auf, ist bitter, böse und witzig zugleich. Und verspricht einen gleichermaßen unterhaltsamen wie nachdenklichen Theaterabend.

"Wir wollten zuerst etwas zu Lampedusa machen, mit Texten von Jelinek und so. Dann aber haben wir den Auftrag an die beiden erfahrenen, schnellen Kollegen vergeben." Gehrt steckt gerade mit seinem Team in der Endphase der Übernahmeproben. Und er erinnert sich noch lebhaft, wie sie als Teil der Erarbeitung des Stoffs vier Wochen lang täglich mit Flüchtlingen auf der Probebühne gefrühstückt haben, wie diese Begegnungen sich damals furchtbar auf die Arbeit auswirkten. Und wie heute noch Freundschaften zwischen Schauspielern und Flüchtlingen bestehen. Kittstein/Cirpici sind für ihre Recherche in Flüchtlingsheime in Köln, Bonn, Krefeld und Mönchengladbach gegangen, kollagieren diese Interviews mit Zitaten aus Internet-Foren, in denen das Flüchtlingsthema kontrovers und teils unter der Gürtellinie diskutiert wird. "90 Prozent der Texte sind Recherchematerial", sagt Gehrt. Er hat sich gegen wirkliche Flüchtlinge auf der Bühne entschieden, lässt stattdessen einen "sehr schwarzen Mann" alle Geschichten spielen, die hier verhandelt werden: Jubril Suleimon stammt aus Nigeria, Gehrt kennt und schätzt ihn seit vielen Jahren. Die Frage, auf welche deutsche Kultur die Flüchtlingswelle trifft, beantworten die Schauspieler des Ensembles. Sie bilden den Chor, der deutsches Liedgut pflegt ("Kein schöner Land"), in dem aber außer ausgebreiteten Armen auch erhebliche Ressentiments anzutreffen sind. "Chordirektorin Maria Benyumova hat heftig mit den Schauspielern geprobt, erinnert sich Gehrt. Für die Ausstattung hat sich Bühnenbildnerin Gabriele Trinczek vom Pfarrsaal der Liebfrauengemeinde in Krefeld anregen lassen, der im Stil der 70er, mit etlichen Bausünden versehen, "sehr auf sich bezogen" ist, so die Bühnenbildnerin. "In diesem Selbstresonanzraum verstärken sich Emotionen und Gedanken."

Termine: 1. Oktober (Premiere), 13., 29. Oktober, 4., 11. November, 6., 9., 18. Dezember, 11. Januar, jeweils 19.30 Uhr. Karten: 02166 6151100, www.theater-kr-mg.de

Quelle: RP
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