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Mönchengladbach
Ensemble Liberta aus Japan im BIS

Mönchengladbach. Die Musiker brachten ein Koto, das aus der höfischen Musik Japans tradierte zitterartige Instrument, und die Shakuhachi, die japanische Bambuslängsflöte, mit Synthie-Klängen zusammen. Das Experiment funktionierte. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Vergleiche zwischen Musik und Kulinarik sind - zugegeben - etwas abgedroschen, doch manchmal sind sie wirklich hilfreich. Man stelle sich einen ganz traditionellen japanischen Koch - in diesem Fall sind es mehrere - vor, der/die mit den feinsten Gerätschaften aus der Heimat Speisen zubereitet (zubereiten). Mit großem Perfektionismus und liebevoll formt er Köstlichkeiten. Doch seine Zutaten variieren sehr. Mal nimmt er Sauerkraut aus Deutschland, dann scharfe Chili, ein bisschen Mais hier, ein wenig Kartoffeln da. Doch sieht das alles trotzdem sehr japanisch aus, was er da kreiert. Kunstvoll ist es. Dann jedoch passiert etwas Unerwartetes: Kurz vor dem Servieren schüttet einer hier eine Portion billigen Ketchup drauf, dort garniert er mit gesüßter Sprühsahne aus der Dose oder bedient sich glutamat-triefender Flüssigwürze. Oh Gott, mag man da denken. Aber Vorsicht vor voreiligen Schlüssen!

Das Ensemble Liberta aus Kasugai in Japan leistete sich Freiheiten, die man sich eigentlich nur leisten kann, wenn man absolute künstlerische Integrität besitzt. Und das besitzen sie. Sonst wäre es wirklich problematisch, was man von ihnen im BIS serviert bekommen hat. Denn sie haben etwas getan, was eigentlich der doch so auf Reinheit bedachten strengen japanischen Tradition diametral entgegensteht. Sie brachten ein Koto, das aus der höfischen Musik Japans tradierte zitterartige Instrument, und die Shakuhachi, die japanische Bambuslängsflöte, mit Synthie-Klängen zusammen.

Ein kleines Keyboard generierte, während der eigentlich sehr unterhaltsamen Mixtur aus äußerst sympathischen Arrangements von verschiedenster Musik für das Ensemble, eine Soße, die leider allzu sehr an schlecht gemachte Filmmusik für TV-Schnulzen erinnerte. Ohne Zweifel liebevoll bedient von Noboru Matsuyama, zog es das gesamte Klangerlebnis, das an sich höchste Bewunderung verdient hätte, herunter. Keyboards sind je nach Kontext ein sehr problematisches Instrument. Man hätte ähnliche Stimmungen auch mit dem doch recht ansehnlichen Flügel, der nebenan unbenutzt stand, zaubern können. Es wäre viel stimmiger gewesen! Aber so integer und feinsinnig wie die renommierte Koto-Spielerin Kazuko Takeda Musik aus aller Welt für ihre beiden Instrumente übersetzte, muss man es erst einmal zustande bringen. So authentisch und sauber, dass selbst unerträgliche Schnulzen Reinheit versprühen, muss erst mal einer sein Instrument beherrschen. So wie Tenzan Yamada seine Flöten.

Trotz dieser diversen Brüchigkeit ist alles aber genuin und charmant gelungen. Nicht zuletzt auch dank Taiko-Künstler Art Lee, der nicht nur sympathisch die Moderationen und Witzchen der Musiker übersetzte, sondern auch für perkussive Akzente sorgte.

Quelle: RP
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