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Mönchengladbach
Fabian Müller holte die Natur in den Konzertsaal von Schloss Rheydt

Mönchengladbach. Ein Freiluftkonzert mitten im November hat Seltenheitswert. Nun mussten sich der Künstler und sein Publikum allerdings auch nicht ins Freie begeben, das zweite Zykluskonzert "Best of NRW" fand wie gewohnt im gut geheizten Schloss Rheydt statt. Antizyklisch war die Programmidee: Die Stücke spielten im Freien. Und das war über weite Strecken sehr gut nachvollziehbar. Von Gert Holtmeyer

Dafür sorgte Fabian Müller. Der junge, 1990 in Bonn geborenen Pianist begann mit "Miroirs" (Spiegel) von Maurice Ravel. Dieses für den französischen Impressionismus typische Werk bot ihm reichlich Gelegenheit, seinen Sinn fürs Dezente und Filigrane zu aktivieren. Und er machte es seinen Zuhörern leicht, den Programmcharakter der Sätze nachzuvollziehen. Ob sich der Komponist die Nachtfalter (Noctuelles) oder das Plätschern der Meereswellen (Une barque sur l'ocean) vorgenommen hatte: Müller spielte mit einer herrlichen Schwerelosigkeit - sofern es die Komposition verlangte.

Natürlich ging es auch schon einmal härter zu, etwa wenn die Wellen des Meeres höher schlugen. Erst recht handelt es sich bei Béla Bartóks "Im Freien" nicht nur um fröhliche Freizeitstimmung. Sätze wie "Mit Trommeln und Pfeifen" und "Hetzjagd" führten programmatisch und musikalisch in eine andere Welt unter freiem Himmel. Bartók charakterisiert, wie ungemütlich es außerhalb einer schützenden Behausung sein kann. Militärische Aufmärsche und Flucht sollte der Antinazi und Emigrant später real erfahren; schon 1926 setzte er die Ängste davor furchterregend in Töne um. Fabian Müller brachte die Komposition mit Vitalität und Kraft adäquat zum Ausdruck.

Nicht jeder kennt die Kurzzehenlerche. Der Vogelfan Olivier Messiaen widmete ihr im "Catalogue d'oiseaux" einen Satz, der lautmalerisch an den Gesang der "Alouette calandrelle" erinnert. Auch wenn sich das Zwitschern der Vögel mit Orchester oder Orgel genauer imitieren lässt: Müllers Spiel ließ keinen Zweifel, dass dem Komponisten hier Vogelgesänge als Vorlage gedient hatten.

Ludwig van Beethovens D-Dur-Sonate op. 28 hat mit seiner sechsten Sinfonie nichts zu tun, auch wenn beide "Pastorale" genannt werden. Verglichen mit den anderen Werken des Abends geht es weniger programmatisch oder lautmalerisch zu. Aber deswegen ist die Komposition nicht minder interessant. Sie steckt voller unkonventioneller Einfälle. Müller spielte sie in einer frischen, unverbrauchten Art und Weise.

Natürlich verlangte das begeisterte Publikum nach einer Zugabe. Der junge Pianist nutzte die Gelegenheit, sich mit virtuoser Brillanz einer anderen Jahreszeit zu widmen und verabschiedete sich mit Chopins Etüde 25/11, genannt "Wintersturm".

Quelle: RP
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