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Mönchengladbach
Festliche Operngala: Ein wunderschöner Abend mit viel Glanz

Mönchengladbach. Ein so eifriger wie einfallsreicher Operndirektor und eine Reihe großzügiger Sponsoren brachten vor vier Jahren zustande, was für ein mittleres Theater etwas Besonderes ist: Sie schufen - gemeinsam mit der Düsseldorfer und der Kölner Musikhochschule - an den Vereinigten Städtischen Bühnen ein Opernstudio. Dort können ausgewählte Studienabgänger der Fachrichtungen Gesang und Dirigieren jeweils zwei Jahre lang wertvolle Praxiserfahrungen machen, statt sogleich mit dem ungewohnten Bühnenalltag eines Erstengagements konfrontiert zu werden. Von Heide Oehmen

Davon berichtete anlässlich einer "Festlichen Operngala" im gut besuchten Konzertsaal des Theaters Mönchengladbach Andreas Wendholz im Interview mit der Kulturmanagerin und Förderin des Opernstudios, Claudia Holthausen. Dem Operndirektor merkte man an, dass er für diese Nachwuchsarbeit brennt, die er "seinen Kindern" angedeihen lassen möchte. Zuvor hatte schon Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners in seiner Eigenschaft als Schirmherr der Veranstaltung die erfolgreiche Theaterarbeit gelobt und unter dem Beifall des Publikums die Notwendigkeit eines Drei-Sparten-Theaters für die Stadt unterstrichen.

Die aktuellen und die ehemaligen Mitglieder des Opernstudios, das den Theateretat nicht belasten darf, wollten mit ihrer festlichen Gala für vielfältige Unterstützung danken und natürlich auch zeigen, wie sie sich dank der kompetenten Führung weiterentwickelt haben. Claudia Holthausen erwies sich mit knappen verbindenden Texten als gut informierte Moderatorin.

Die Mezzosopranistin Manon Blanc-Delsalle, im zweiten Jahr Mitglied des Opernstudios, eröffnete den vokalen Reigen mit der großvolumig gestalteten Arie des Urbain aus Giacomo Meyerbeers "Die Hugenotten". Ebenso überzeugte sie mit einem ganz gegensätzlichen Vortrag - dem schwärmerischen Lied der Eliza aus "My fair lady". Charlotte Reese, ehemals Mezzo, hat nach ihrer Zeit am hiesigen Theater einen Fachwechsel vollzogen. Dass sie sich im Sopranbereich erheblich wohler fühlt, zeigte ihre Juwelenarie aus "Faust" von Charles Gounod. Ebenfalls schon dem Opernstudio entwachsen ist Lisa Katharina Zimmermann. Gerade von einer China-Tournee zurückgekehrt, zeigte sie in der Arie der Mimi ("La Bohème") und dem "Lied an den Mond"("Rusalka"), dass ihr inzwischen ganz ruhig geführter Sopran schon fast zum jugendlich- dramatischen Fach hin tendiert. Amelie Müller - auch erst im zweiten Jahr im Studio und bereits mit umfangreichen Aufgaben betraut - hatte sich das vermutlich schwierigste Werk des Programms ausgesucht - eine koloraturgespickte Konzertarie mit schwindelerregenden Höhenflügen von Mozart. Die junge Sängerin meisterte diese enorme Herausforderung großartig. Müllers Partner in der "Barbier"-Produktion (noch in Krefeld, in der nächsten Spielzeit hier) ist der Bariton Sebastian Seitz, dem die Rolle des Figaro, die er auch in Mainz und Rudolstadt singt, wie auf den Leib geschrieben scheint. Bei faszinierender Bühnenpräsenz und nur an einigen Stellen zu stimmkräftig, riss er das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Doch er zeigte auch Lyrischeres - in der Arie des Barons ("Wildschütz"). James Park, auch er im zweiten Jahr hier, begeisterte die Besucher mit Ruggiero Leoncavallos bekanntem Lied "Mattinata" - mehr noch als mit der Arie des Nemorino (Liebestrank). Neuzugang Shinyoung Yeo gab mit achtunggebietendem Bariton den Peter Besenbinder (Hänsel und Gretel).

Alle Ensembles gelangen bestens und mit vokalem Glanz - bis zum abschließenden "Feuerstrom der Reben" (Fledermaus) und dem nach frenetischem Applaus zugegebenen Trinklied aus "La Traviata".

Die Niederrheinischen Sinfoniker, die diesmal von Jesse Wong - einem Absolventen, der jetzt Solorepetitor an der Oper Düsseldorf ist - sowie den Studiomitgliedern Jan-Paul Reinke und Yorgos Ziavas geleitet wurden, spielten mit Hingabe und besonderer Aufmerksamkeit. So gaben sie dem wunderschönen Abend zusätzlichen Glanz.

Wiederholung der Operngala: Donnerstag, 7. April, 20 Uhr, Festhalle Viersen

Quelle: RP
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