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Mönchengladbach
Fortschritte bei der Brustkrebs-Behandlung

Mönchengladbach. Am Johanniter-Krankenhaus Bethesda lud das Brustzentrum zum Patientinnenkongress ein. Zu hören war vieles, was hoffnungsfroh stimmt. Von Angela Rietdorf

Das Thema bewegt Frauen wie kaum ein anderes in der Medizin: Brustkrebs. Groß ist der Bedarf nach fundierter Information, wie der Teilnehmerinnenandrang beim Patientinnenkongress des Brustzentrums Niederrhein alljährlich beweist. Nicht nur die vielen Stuhlreihen im Saal sind bis zum letzten Platz gefüllt, die Vorträge werden auch noch auf einen Großbildschirm im Nebenraum übertragen. Mehr als 300 Frauen und einige Männer sind an diesem Nachmittag ins Bethesda gekommen, um sich über neue Entwicklungen bei der Brustkrebstherapie zu informieren.

Viel tut sich momentan in der medikamentösen Therapie. Vor allem die Antikörper- und die Antihormontherapie haben in den vergangenen Jahren durch Erfolge von sich reden gemacht. Wenn heute 85 bis 90 Prozent der Frauen, die die niederschmetternde Diagnose Brustkrebs erhalten, überleben und 80 Prozent dauerhaft geheilt werden können, dann ist dies unter anderem auf die immer besseren Möglichkeiten zurückzuführen, die Therapie individuell auf die jeweilige Krebsvariante zuzuschneiden. Entscheidend für den Einsatz von Antikörpern oder Antihormonen ist die Frage, ob die Krebszellen über entsprechende Andockstellen, so genannten Rezeptoren, verfügen. Es gibt Varianten, die sind für beide Stoffe empfänglich, bei anderen gibt es nur Rezeptoren für Antikörper oder Antihormone. Schließlich gibt es die Möglichkeit, dass keine Rezeptoren vorhanden sind. Dann muss im medikamentösen Bereich allein auf die Chemotherapie gesetzt werden.

Neben der adjuvanten Behandlung - das heißt, einer ergänzenden Therapie im Anschluss an eine Operation, bei der einem Rückfall vorgebeugt werden soll - gibt es auch eine neoadjuvante Therapie. Dabei werden die Antikörper eingesetzt, um den Tumor vor der Operation zu verkleinern. So kann unter Umständen auch bei einem größeren Tumor brusterhaltend operiert werden. "Außerdem können wir dann schon erkennen, ob die Therapie grundsätzlich richtig ist", sagt Dr. Oleg Gluz, Oberarzt am Brustzentrum Niederrhein.

Die Chemotherapie, gefürchtet wegen ihrer starken Nebenwirkungen, ist heute deutlich verträglicher als früher. Allerdings ist es immer noch nicht gelungen, beispielsweise den Haarausfall zu stoppen. "Die Chemotherapie greift alle schnell wachsenden Zellen an, die Krebszellen, aber auch alle anderen schnell wachsenden Körperzellen wie die Haarfollikel", sagt Gluz.

Hat der Brustkrebs bereits gestreut, gilt er als nicht mehr heilbar. Aber auch hier macht der Oberarzt Hoffnung. "In diesem Fall sprechen wir von einer chronischen Erkrankung, bei der durchaus eine gute Lebensqualität erreicht werden kann", erklärt er. "Diabetes ist auch nicht heilbar, aber man kann damit leben." In der Entwicklung sind gegenwärtig eine Fülle von neuen Substanzen, über deren Wirksamkeit man noch nicht endgültig urteilen kann, die aber Anlass zu Optimismus geben.

Quelle: RP
 
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