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Mönchengladbach
Gerda Wilms' Leben mit Beethoven & Co.

Mönchengladbach. Im September werden die sieben Esel von Rita McBride auf dem Sonnenhausplatz ankommen. Um die Wartezeit zu verkürzen, werden wir in loser Folge Esel vorstellen, über Esel philosophieren und uns an ihnen erfreuen. Von Inge Schnettler

Beethoven hat die Sache ins Rollen gebracht. Der Esel war der Hauptgewinn einer Tombola beim Sommerfest auf dem Reitstall Karsch in Günhoven. Und Gerda Wilms war die glückliche Gewinnerin. Noch am gleichen Tag nahm sie ihn mit nach Hause. "Beethoven war schon ziemlich alt, aber unglaublich lieb und klug", sagt Gerda Wilms, die nur ein paar Meter von Karsch entfernt in einem wunderschönen Vierkanthof lebt. Wenn sie von ihrem ersten Esel spricht, gerät sie ins Schwärmen. "Beethoven konnte alles, sogar lesen und schreiben."

Das nette Grautier bekam von seiner neuen Besitzerin umgehend eine liebe Frau - Michi. Leider starb Beethoven schon bald. Deshalb kaufte Gerda Wilms einen neuen Mann für Michi - Bertram. Und gemeinsam bekamen sie Tochter Lottalein. Auf der Wiese hinter der Scheune führen sie ein paradiesisches Leben. Flöckchen ist auch immer dabei, sie wohnt bei Gerda Wilms zur Miete.

Die 61-jährige Sozialpädagogin, die in einem Kinderheim in Kaarst-Büttgen im Schichtdienst arbeitet, hatte schon immer eine große Leidenschaft für Esel. Deshalb ist sie fest davon überzeugt, "dass mir der liebe Gott Beethoven geschenkt hat." Sie kennt den liebenswerten Charakter der Grautiere. "Wer behauptet, sie seien dumm, liegt total daneben. Sie gehören zu den intelligentesten Tieren überhaupt." Wenn sie mit Bertram durchs Dorf geht, entscheidet der Esel selbst sein Tempo. "Der lässt sich meine Geschwindigkeit nicht aufzwingen", sagt Gerda Wilms. "Und vor jeder Pfütze, jedem Gullideckel bleibt er stehen und denkt erst mal nach." Der Esel Bertram entscheidet, ob er das Hindernis umgeht oder darüber steigt. "Esel sind so - durchdacht eben. Esel sind nicht stur, sondern schlau."

Als die Eselfreundin von den sieben Bronze-Eseln von Rita McBride hörte, die sich auf den Weg gemacht haben, um im Herbst auf dem Sonnenhausplatz anzukommen, hat sie sich sehr gefreut. "Ich fühle mich in meiner Esel-Liebe und Esel-Philosophie absolut bestärkt." Deshalb kann sie auch nicht verstehen, dass sich viele Gladbacher über das künstlerische Vorhaben aufregten. "Wahrscheinlich liegt das an den Vorurteilen, Esel seien dumm und störrisch."

Gerda Wilms hat wunderschöne Geschichten auf Lager - und fast alle haben mit ihren Eseln zu tun. Beispielsweise wachsen und gedeihen ihre Hortensien nur so gut, weil sie im Frühjahr jedem Strauch eine halbe Schubkarre Esel-Dung gönnt. "Dann kommen die Hühner, scharren alles wieder unter den Hortensien raus, und ich reche den Mist wieder zurück auf die Beete." Das Federvieh auf dem Anwesen von Gerda Wilms ist ein bunter Haufen: Seidenhühner laufen da herum, ein Perlhuhn, ein Puter, ein Grünleger-Weibchen, das tatsächlich grüne Eier legt, und eine Laufente, die mit einer Gans liiert ist. Dazu kommen Hühner aus der Legebatterie, die in Günhoven aufgepäppelt wurden und sich pudelwohl fühlen.

Oft schon hat Gerda Wilms im Frühjahr beobachtet, wie die Dohlen sich über die Esel hermachen. Also über deren Winterfell. "Die Vögel zupfen das Fell aus und bauen sich daraus in unserem stillgelegten Kamin ein weiches, warmes Nest." Und die Esel? "Die halten ganz still und genießen die Massage."

Für die Kinder aus dem Dorf sind Bertram, Michi, Lottalein und Flöckchen die Attraktion. "Die Esel beißen und treten nicht, sie sind super geduldig und lieb, niemals hektisch." Die Kinder aus der Familie Wilms reiten auch auf den Grautieren - einmal bis zum Wald oder rüber zum Günhover Hof. "Da wird dann immer eine kleine Rast eingelegt."

In ihrem Job braucht Gerda Wilms, wie sie sagt, Kopf, Nerven und Herzen. Zu Hause - bei ihren wunderschönen Blumen, dem Federvieh und den Eseln - kann sie abschalten. "Das ist gut für die Seele und fürs Gemüt."

Quelle: RP
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