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Mönchengladbach
Götter und Dämonen im modernen Brasilien

Mönchengladbach. Der brasilianische Regisseur Jessé Oliveira (47) inszeniert ein Schauspiel seiner Landsfrau Viviane Juguero. Von Dirk Richerdt

Was Schauspieldirektor Matthias Gehrt mit seinem Amtsantritt 2010 als Leitlinie seiner Arbeit am Theater Krefeld/Mönchengladbach ausgab, nämlich regelmäßig Stücke außereuropäischer Autoren auf die Bühne zu bringen, wird dieses Frühjahr fortgesetzt. "Mit ,Cavalo de Santo - Das Pferd des Heiligen' gibt es nun die fünfte Produktion dieser Reihe bei uns", berichtet Schauspieldramaturgin Barbara Kastner. Und im Februar folgt mit "Käfig aus Wasser" bereits das nächste Stück.

Am Freitag, 29. Januar, 20 Uhr, ist die Uraufführung von "Cavalo de Santo", das die brasilianische Schauspielerin und Musikerin Viviane Juguero geschrieben hat. Die Idee dazu kam von ihrem Kollegen Jessé Oliveira aus Porto Alegre, wo der 47-Jährige die Theatergruppe "Caixa Preta" (Black Box) betreut. Nun inszeniert er mit "Das Pferd des Heiligen" erstmals in Europa.

Das Stück erzählt in einem kaleidoskopartigen Bilderbogen Szenen aus dem heutigen Brasilien, dabei stehen die Darsteller, eine Frau und ein Mann, für die ethnische, religiöse und kulturelle Mischung in dem südamerikanischen Staat. Dazu müsse man wissen, dass sich in Brasilien drei kulturelle Stränge verbinden, erklärt Barbara Kastner: "Das sind die europäische Kolonialkultur, die Kultur der verschleppten Afrikaner und die indigene südamerikanische Kultur." Inacio (Adrian Linke) und Graça (Nele Jung) spielen ein Paar, das einen Beziehungskonflikt auslebt. In elf Szenen "inkorporieren sie", wie der Regisseur es ausdrückt, "Gottheiten und Geister aus der afro-brasilianischen Religion". Daher erklärt sich auch der Stücktitel: "Das Pferd eines Heiligen, so nennt man bei uns Menschen, von denen ein Geist Besitz ergriffen hat", sagt Jessé Oliveira.

Die wechselnden Verwandlungen der beiden Protagonisten ermöglichen es, Einblick in die Mythen des Landes und ihren Stellenwert für das Leben der Brasilianer zu gewinnen. Das Christentum ist dabei synkretistisch aufgebrochen, so wird etwa der Heilige Georg mit dem Schwert in einer Szene durch den Kriegsgott Ogum transformiert. Gespielt wird in einem surrealen Raum (Bühne: Lydia Merkel). Ein französischer Tourist, aber auch der ehemalige Kaiser von Brasilien, Dom Pedro I. aus Portugal, treten auf. "Der Raum ist bestückt mit tropischen Pflanzen", verrät Oliveira. Die Szenen zeigen "Klischees, die sich Europäer von Brasilien machen". Metaphern fügen sich aneinander, die das Spiel als surreal ausweisen. Wie weit das Publikum daraus Erkenntnisse über die Kultur Brasiliens gewinnt, bleibt abzuwarten. "Es ist ernst, hat aber auch viel Humor", verspricht Jessé Oliveira. Under sagt: "Wir zeigen sinnliches, barockes, ausschweifendes Theater."

Premiere: Freitag, 29. Januar, 20 Uhr; weitere Vorstellungen am 31. Januar; 28. Februar; 18. März; 22. und 24. April. Karten: 02166 6151-100.

Quelle: RP
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