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Mönchengladbach
Götz Arndt im Kunstverein MMIII: Dialog zwischen Raum und Kunst

Mönchengladbach. Überbordende Fülle ist nicht Götz Arndts Ding. Der Künstler setzt vielmehr auf die Tradition der Minimal-Art. Dennoch beschränkt er sich auf Einladung des Kunstvereins MMIII zur Ausstellung im Rudolf-Boetzelen-Silo an der Künkelstraße nicht auf den Innenraum. Heute ist offizielle Eröffnung, doch aufmerksame Betrachter können auch außerhalb der Öffnungszeiten Ausläufer seiner Kunst an der Außenwand entdecken: Die Rauminstallation der oberen Etage durchbricht die Wand. Beim Betreten des Silos wird rasch klar: Götz Arndt fügt seine Arbeiten nicht einfach in den Raum. Er horcht vielmehr auf dessen Besonderheiten, um über die Reflexion vor Ort mit einer für ihn charakteristischen Bildsprache zu reagieren. Die Einladungskarte assoziiert mit dem Titel "Wipe the windows - Check the oil" eine Wachstraßensituation, doch es ist wohl eher die Aufforderung, die Wahrnehmung zu schärfen. Denn der Künstler entfaltet mit schlichten Materialien und Prägnanz ein vielschichtiges Denkangebot. Nach der Ausbildung zum Steinmetz schloss er ein Studium an und lehrt seit vielen Jahren an der Pariser Kunsthochschule. Von Angela Wilms-Adrians

Das Erdgeschoss ist beherrscht von einer schlichten Landschaft weißer Styroporkörper, auf die im scheinbar zufälligen Rhythmus Betonbänder in positiv-negativ Schwingungen verteilt sind. Zuweilen wirken diese Betonbänder als seien sie eingeschwemmt in den weißen Block. "Ich wollte eine große geologische Kraft zeigen", sagt der Künstler dazu. Das Material ist so gewählt, das auch hier geologische Aspekte einspielen: Der Beton ist mit Muscheln gegossen. Jeweils eine Seite ist glatt abgeschliffen und die andere abgewaschen, so dass die Muscheln zur lebendig strukturierten Oberfläche werden. Der Künstler benennt sie als eine "Urart", vergleichbar einer komprimierten Erdschicht, wie denn auch Steine aus Lebewesen entstanden seien.

Die obere Etage ist umgewandelt in eine skulpturale Installation, die dynamisch in den Raum greift. Von zwei Wänden aus ergießen sich Stahlseile aus 12 mm breitem Armierungsstahl. Sie sind punktuell mit der vorgefundenen Stahlkonstruktion verbunden und liegen mit dem anderen Ende am Boden auf. In der Gesamtheit ergeben sich zwei grafisch anmutende Bündelungen, die einem Schweif gleichen. Wer es wagt, eines oder mehrere dieser Stahlseile leicht anzustoßen, wird merken, dass sie leicht in Schwingung zu versetzen sind und erst ganz allmählich auspendeln. Deren Biegung ist derweil abhängig von der Raumhöhe und der Behäbigkeit des Materials. Arndt taxiert das Umfeld und betont: "Je höher der Raum, desto spektakulärer der Verlauf".

Die Eröffnung ist heute um 19.30 Uhr. Zur Einführung spricht Sabine Elsa Müller. Öffnungszeiten: Bis 18. September sonntags von 11 bis 14 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung (0173 9114494 - Klaus Schmitt), info@MMIII.de.

Quelle: RP
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