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Mönchengladbach
Große-Schware: Konzert zum Geburtstag

Mönchengladbach. Zu seinem 85. lud der Musiker in den Carl-Orff-Saal der Musikschule ein. Er gab einen musikalischen Rückblick. Von Gert Holtmeyer

Nicht alles, was an einem 1. April geschieht, ist unter dem Aktenzeichen Aprilscherz abzuheften. Ganz gewiss nicht die Tatsache, dass am 1. April 1931 Hermann Große-Schware in Castrop-Rauxel geboren wurde. Dieser agile, geistig jung gebliebene Musiker und Musikpädagoge, der seit Jahren zum Mönchengladbacher Kulturleben gehört, feierte soeben seinen 85. Geburtstag.

Große-Schware kann auf eine lange Liste von Kompositionen verweisen. Er erhielt mehrere namhafte Kompositionspreise. Von 1997 bis 2006 war er Vorsitzender des Landesverbandes NRW im Deutschen Komponistenverband. In Mönchengladbach wirkte er am neusprachlichen und am Geroweiher-Gymnasium jahrzehntelang als Schulmusiker. Das hatte er vorher schon in Viersen getan und dort gleichzeitig nebenamtlich die Musikschule aufgebaut. Dass in Mönchengladbach "Ensemblia" nicht ganz den Kürzungen geopfert und schließlich weiterentwickelt wurde, ist auch wesentlich sein Verdienst.

Es liegt nahe - und Große-Schware hat es bei seinem 70., 75. und 80. Geburtstag ebenso gehandhabt - dass seine Geburtstagsfeier für langjährige Weggefährten, Freunde und Bekannte in Form eines Konzerts stattfindet. Eingeladen wurden auf die Bühne des Carl-Orff-Saals, so der Jubilar, "Komponisten und soweit möglich Interpreten, die mir in jungen Jahren durch ihr Engagement (auch für Neues) in der Musik aufgefallen waren und deren Entwicklung ich beobachten und zum Teil auch begleiten durfte."

Mit 85, meinte Große-Schware, neige man zum Rückblick. Den wolle er aber nicht mit Worten geben, sondern mit Musik. So konnten sich die Geburtstagsgäste über ein kurzweiliges Programm mit interessanten Werken und guten Leistungen freuen.

Gleich zu Beginn stellte Große-Schware mit seiner Komposition "Aria nach Harmonien von Johann Sebastian Bach" klar, dass er das Klavierspielen bis heute nicht verlernt hat. Unter dem Pseudonym "Manni Bernhard" hatte er hier - außer den Harmonien - nichts von Bach verwendet, eine jazzige Note gab dem Vortrag Schwung. Stilistisch, erläuterte Große-Schware, habe er sich nie binden wollen. Wichtig sei ihm immer die Offenheit nach allen Seiten gewesen.

Dafür war der Vortrag seiner Tochter Regina ein gutes Beispiel. In "Kafka-Fragmenten für eine singende Viola-Spielerin" wechselten Texte mit solistischen Instrumentalbeiträgen. Bernhard, der Sohn des Jubilars, hatte selbst eine Komposition beigesteuert, die er am Klavier zusammen mit Johanna Stein (Cello) und Jürgen Löscher (Bassklarinette) uraufführte.

Zum Rückblick gehörte auch der langjährige Austausch mit jungen Mönchengladbacher Komponisten. Stellvertretend für alle wurden zwei Werke aufgeführt. Von Stefan Hakenberg war "Pink Slush for string quartet and drum set" zu hören, überzeugend dargeboten vom Streichquartett der Musikschule und Robert Hurasky am Schlagzeug. Die jungen Spieler vom Rockstreichorchester der Musikschule begeisterten durch ihr vitales Spiel mit "Deligation", einer Komposition von Rüdiger Blömer.

Nie losgelassen, bekannte Große-Schware, habe ihn das Volkslied. Nicht in Form verwässerter kommerzieller Folklore. Aber ihn fasziniere, wie sich in den alten Liedern gesellschaftliche Befindlichkeiten, Urteile und Stimmungen widerspiegeln. Zwei Liedsätze hat er erst vor kurzem geschrieben: "Es freit ein wilder Wassermann" und "So treiben wir den Winter aus". Vorgetragen wurden sie vom Chorstudio, einem Ensemble, das Große-Schware lange geleitet hat. Heute sorgt Regine Saus für den guten Ton.

Quelle: RP
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