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Mönchengladbach
Große Spritztour im Museum Abteiberg

Mönchengladbach. Sie hat bei Hüppi in Düsseldorf studiert, lebt in Berlin, lehrt in New York und zeigt ihre Bilder nun erstmals im Museum Abteiberg. Monika Baer nennt sie "Austragungsorte". Alkohol spielt eine große Rolle. Von Inge Schnettler

Nein, sie hat ihre Bilder nicht im Vollrausch gemalt. Und nein, die Farben, mit denen Monika Baer ihre Alkohol-Bilder gestaltete, hat sie nicht mit Schnaps versetzt. Die Flaschen, die immer am unteren Bildrand platziert sind, wirken allerdings echt. Ihre hyperreale Darstellung steht im Gegensatz zur diffusen Hintergrundfläche in Pastellfarben. Darin findet der Betrachter den mit nur wenigen Linien angezeigten Kopf des Säufers. Mit debil offenhängendem Mund liegt er da - besoffen, hilflos, dem Spott preisgegeben, Delirium.

Positiv irritiert habe sie die Kunst von Monika Baer schon seit vielen Jahren, sagt Susanne Titz. Die Direktorin des Museums Abteiberg ist deshalb glücklich, dass sie gemeinsam mit der Kestnergesellschaft Hannover die Ausstellung "Große Spritztour" konzipieren und realisieren konnte. Bis zum 2. September bleiben Monika Baers Bilder im Mönchengladbacher Museum, anschließend werden sie bis zum 6. November in der niedersächsischen Landeshauptstadt zu sehen sein. Ein großes Bild konnte das Museum mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen kaufen.

Im Wechselausstellungsraum gibt es neben den großformatigen Alkohol-Bildern vier schwarze Gemälde. In der dunklen Fläche wirbeln - oder taumeln - Flaschenetiketten umher. Zartpastellene Ölfarben-Würstchen, direkt aus der Tube aus Bild gedrückt, mindern die in tiefste Abgründe saugende Wirkung. Sie bringen ein wenig Kindergeburtstag ins dunkle Nichts. Sechs weitere Bilder mit psychedelisch sich durchdringenden Farbflächen aus Cyan, Magenta und Gelb weisen in der rechten unteren Ecke jeweils eine wiederum hyperrealistisch gemalte ausgedrückte Zigarettenkippe vor. Und daneben, platziert auf einem angeschraubten Plättchen, steht jeweils eine Minipulle Schnaps. In echt. Wie lange sie dort stehen werden, weiß die Künstlerin nicht. "Aber die Fläschchen sind mit Angelschnur an dem Bild festgemacht", sagt Monika Bär. Also, Achtung vor der Kunst!

Ihre Alkohol-Bilder seien keine gesellschaftskritischen Äußerungen, sagt die Künstlerin. Ihre Gemälde seiengrundsätzlich vielmehr Austragungsorte. Sie lasse jede Sichtweise und Interpretation ihrer Bilder zu. Das gilt auch für ihre Ketten- und Busenbilder. Diese sind in den Kleeblatträumen des Museums zu finden, in denen die "Große Spritztour" weitergeht. Da gibt es auch die Mauer-Bilder und die Schlüsselloch-Bilder. Und die Spinnennetz-Bilder. Diese Künstlerin hat viel zu erzählen. Und das tut sie. Die Museumsbesucher werden eine Menge zu schauen haben und Entdeckungen machen, die sie möglicherweise so nicht erwartet haben.

Quelle: RP
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