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Mönchengladbach
Hugo Ball - sein Leben und seine Sprache

Mönchengladbach. Gemeinsam mit der Sängerin und Musikerin Katharina Ihlefeld wird Theater-Inspizient Joachim L. Bähr den Dadaisten vorstellen. Balls Lautgedichte werden Bilder erzeugen, Elefanten werden über die Bühne ziehen. Das ist sicher. Von Inge Schnettler

Hugo Ball wurde in Pirmasens geboren. Er sagte: "Wenn man das Unglück hat, in der Pfalz geboren zu werden, dann muss man immer im Wald herumlaufen, das ist die einzige Rettung." Auch Joachim L. Bähr wurde in Pirmasens geboren. Er sagt: "Die Pfalz ist so wunderschön, da möchte man immer wieder hin." Aber es ist nicht unbedingt die kreisfreie Kleinstadt am westlichen Rand des Pfälzer Waldes, die den Dadaisten Hugo Ball und den Inspizienten des Gemeinschaftstheaters Joachim L. Bähr verbindet. Auch - aber nicht nur. Es ist weit mehr. Mindestens ist es die Freude am Klang der Sprache, mehr noch die intellektuelle Auseinandersetzung mit ihr. Und die Frage, wie die eigene Persönlichkeit zu formen, zu festigen und zu halten ist.

Morgen Abend (20 Uhr) wird Joachim L. Bähr im Studio des Theaters den Dramaturgen, Journalisten, Romanautoren, Lyriker, Biografen, Dramatiker, Tagebuchschreiber und Verfasser von philosophischen Schriften vorstellen. Der Abend heißt: In der Anarchie lauert die Religion. Begleitet wird Bähr von Katharina Ihlefeld vom Opernchor, die singt, Lautgedichte rezitiert und Klavier, Altflöte und Trommel spielt. "Die Zuschauer erwartet eine Sprachpartitur", sagt Joachim L. Bähr. Das kann dann so aussehen, dass Katharina Ihlefeld Lautgedichte vorträgt - simultan zu Texten, die Joachim L. Bähr liest. "Es wird kein Dada-Nonsens-Abend", verrät Bähr. "Es wird Lacher geben, aber es ist eher ein intellektueller Abend." Ein Zuschauer habe ihm nach einer Aufführung gesagt: "Irgendwann konnte ich nicht mehr folgen, da habe ich die Texte angehört wie musikalische Partituren." Das hat Joachim L. Bähr sehr gefallen.

"Die Laute sind nicht zerhackte Sprache, sie erzeugen Bilder." Das sagt der Inspizient, der seit 25 Jahren am Theater wirkt. Manchmal auch als Schauspieler - wie zuletzt, als er sehr authentisch den Inspizienten (!) im "Geheimnis des Edwin Drood" spielte. Ein Beispiel ist Balls Gedicht "Karawane". Das beginnt so:

jolifanto bambla ô falli bambla grossiga m'pfa habla horem égiga goramen higo bloiko russula huju hollaka hollala anlogo bung . . .

Im richtigen Rhythmus vorgetragen, erzeugt der Text das Bild der ziehenden Elefantenherde.

Bähr hat angekündigt, dass er den Abend wie einen Durchmarsch durch Balls Leben gestalten wird - in Zitaten, aus Lyrik, Prosa und Theaterstücken, aus Essays und Aufzeichnungen wird Balls Weg durch seine Lebens- und Sprachphasen nachvollzogen. Spannend!

Quelle: RP
 
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