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Mönchengladbach
Ingo Wegerl lädt ein - hinschauen, bitte!

Mönchengladbach. Die Bilder von Ingo Wegerl machen besonders viel Freude, wenn man sich viel Zeit nimmt, sie zu betrachten. Da gibt es im Detail vieles zu sehen, über das gestaunt, gelacht und gesprochen werden kann. Am Wochenende geht das wieder. Von Inge Schnettler

Das Bild ist echt merkwürdig. Bedrohlich gar, voller unfreundlicher Menschen, die unerfreuliche Dinge tun. Böse gucken beispielsweise. "Das ist die Familienaufstellung", sagt Ingo Wegerl, "schrecklich, nicht wahr?" In der Tat. Eine alte Dame ist in der Mitte zu sehen, ihre erwachsenen Kinder um sie herum, ein kleines Mädchen schaut den Betrachter an. Ängstlich. Könnte sein, denn das Kind rechts von ihr ist ohne Kopf. Die Hand des Mannes neben ihr greift durch den Hals in den Körper hinein. Schrecklich, echt. "Der ist übergriffig", sagt der Künstler. Da kann auch der Affe keine nette Stimmung reinbringen, der von links ins Bild kommt - und sehr an Jörg Immendorff erinnert. "Stimmt", sagt Wegerl, "ich habe Immendorff porträtiert und sein Konterfei mit lauter Affen umgeben."

Aber - keine Bange. Die Besucher der Ausstellung in des Künstlers Räumen werden dieses Bild womöglich gar nicht bemerken - in der Vielzahl der Arbeiten, die an den Wänden hängen. Und - die Mehrzahl ist ja durchaus schön anzusehen. Wobei ansehen reicht nicht. Genau hinschauen ist angesagt. "Viele Menschen glauben, dass ich Fotografien übermale und bearbeite", sagt Ingo Wegerl. Aber das ist nicht wahr. Alles ist gemalt - die feinsten Details mit einem Pinsel der Stärke zwei. "Mein Mann ist ein kleiner Pinsel", sagt des Künstlers Frau Margot von Contzen. Beide lachen sich kaputt. Ja, es ist ein heiteres Ambiente, das die Gäste am Samstag und Sonntag erwarten dürfen, wenn die großzügige Wohnung der beiden zum Rundgang einlädt. Darauf ist Verlass.

Die neuesten Bilder nennt Wegerl "meine Tagebuch-Serie". Auf kleinem quadratischen Format finden sich Relikte aus seinen Bildern wieder: Gesichter, Akte, wohlbekannte Szenen. Daneben - das Portal. Auf Holz hat der Künstler eine alte verwitterte Tür gebracht - mittels Frottagetechnik. Acht Porträts hat er in gemalte Rahmen gesetzt - Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Nationalität schauen den Betrachter an. Tatsächlich wirken sie so real wie normalerweise es nur Fotos schaffen. Der Blick aus der Nähe offenbart die Technik. Eine Tempera-Schicht nach der anderen trägt Ingo Wegerl auf die Acryl-Untermalung auf. "Zwischendurch schleife ich die Farbflächen, dadurch entstehen ganz feine Ziselierungen." Die Strukturen erinnern an feinste Schraffuren, die man von Kupferstichen und Radierungen kennt.

Nicht nur das Material des Künstlers - Ei-Tempera - erinnert an alte Malkunst, seine Bilder selbst tun es. "Mein Mann ist ein unglaublich geduldiger Mensch", sagt Margot von Contzen. "Das Malen mit kleinsten Pinseln hat etwas Meditatives", sagt Ingo Wegerl. Er ist ein disziplinierter Künstler. "Er geht morgens früh in sein Atelier, und abends taucht er wieder auf", sagt Margot von Contzen, die ihm zwischendurch gern mal ein "Bütterchen" bringt, "damit er nicht verhungert." Die beiden sind am Rotdornweg 1 in Wickrath ab heute Gastgeber für alle, die sich die Kunst von Ingo Wegerl anschauen möchten.

Öffnungszeiten: heute von 15 bis 22 Uhr, morgen, Samstag, 28. November, und am Sonntag, 29. November, jeweils von 11 bis 18 Uhr. Info: www.ingowegerl.de

Quelle: RP
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