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Mönchengladbach
Jazz-Trio schafft im TIG eine Stimmung zum "Sich-fallen-lassen"

Mönchengladbach. Wiederholung, ob nun eines ganz kleinen Bausteines oder größerer Muster, sind ein wesentlicher Bestandteil der Klangwelt, die wir Musik nennen. Man findet sie überall und gerade im Jazz kommt repetitiven Momenten eine tragende Rolle zu. Um sie herum entfalten sich die facettenreichen Welten musikalischer Fantasie. Aus ihnen heraus entsteht Prägnanz und Zugkraft - der Drive. Auch die regelmäßige Besucher der Reihe Fine-Art-Jazz werden mit diesen Energien gewiss bestens vertraut sein. Wenngleich diesmal das TIG drei jungen Musikern Bühne bot, die die Kunst der Wiederholung und Klangverwebung perfektioniert und vielleicht sogar auf eine neue Stufe gehoben haben. Zeitgleich suchen sie einen Klang, eine Stimmung, die oft zum "Sich-fallen-lassen" einlädt, ohne jedoch zu gefällig oder gar rührselig klangverliebt zu werden. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Diese Band, bei der die bemerkenswerte Mischung aus sich wiederholenden minimalistischen Klangbewegungen und jene umkreisenden rhythmischen Eruptionen beobachtbar ist, ist das Trio Reis, Demuth und Wiltgen. Die drei Luxemburger verstehen es mit Hilfe raffinierter aber dennoch durch Einfachheit bestechende harmonische Keimzellen und deren fortdauernder rhythmisch variierter Wiederkehr einen packenden Klangstrom zu erzeugen. Es gibt Soli, ja, aber der kompositorische Fluss ist offensichtlich wichtiger für sie als virtuose Selbstdarstellung. Dabei sorgt Pianist Michel Reis mit seinen, fast schon mit nüchternen Anschlag gespielten, aber entzückend spielfreudigen um sich kreisenden Patterns für einen dichten Teppich. Nutzt die ganze Bandbreite des Steinways. Andererseits markiert Paul Wiltgen mit seinem Schlagzeug eine nur selten zur Ruhe kommende rhythmische Struktur voller Überraschungen. Wiltgen schöpft alle spieltechnischen Möglichkeiten seiner Drums aus. Marc Demuth, Bass und dritter im Bunde, umspielt diese stark gezeichneten Linien in kongenialer Weise. Immer umsichtig, immer durchdacht.

Ohnehin ist das Klaviertrio eher der auf eine kunstvolle und stringente Innerlichkeit, als der auf virtuosen und zerfaserten Bombast, bedachten Seite der Jazzszene zuzurechnen. Ob in sanfteren Stimmungsbildern wie in "Wishing Well", oder mit schnell getakteten nüchtern - etwas kantig - konstruierten Rhythmus und motivlastigen Passagen wie beispielsweise in "Floppy disk".

Die allesamt eigenen Kompositionen sprechen bei aller Abwechslung persistent die für das Trio typische Sprache; nutzen jedoch hin und wieder auch vertrautere Klangmuster. Es wurde nicht fade, weder bei Sachen von ihrem alten Album, noch im Vorausblick auf das neue, welches im September erscheinen wird. Das Publikum erklatschte sich zwei Zugaben.

Quelle: RP
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