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Mönchengladbach
Jugendstück mit Irrungen und Wirrungen

Mönchengladbach. Der Q1-Literaturkurs des Gymnasiums Rheindahlen hat sich an ein Stück gewagt, das man nicht oft an Schulen sieht - und Beeindruckendes geleistet. Morgen Abend ist die überzeugende Inszenierung von Ibsens "Peer Gynt" zu sehen. Von Angela Rietdorf

Peer Gynt hat die Oase in Marokko erreicht. Umtanzt von begeisterten Beduinenmädchen genießt er seine Rolle als Prophet. Besonders die junge Anitra hat es ihm angetan. Zu gern möchte er sie erobern, überschüttet sie mit Geschenken und lässt sich von ihr bewundern. Doch auch hier findet der Held des Ibsen-Stücks weder Ruhe noch Halt - und schon gar nicht sich selbst. Die fantastische Reise geht weiter, bis er endlich ins heimische Norwegen zurückkehrt und seine frühe Liebe Solveig wiederfindet.

Der Literaturkurs des Gymnasiums Rheindahlen hat sich an ein Stück gewagt, das man wahrlich nicht allzu häufig als Schulinszenierung sieht. Aber mit einfacheren Aufgaben waren die Schülerinnen und Schüler schlichtweg nicht zufrieden. "Wir haben erst nach Komödien gesucht, aber nichts gefunden, was uns angesprochen hat", erklärt Sophie Strobel. "Dann haben wir eine Szene aus Peer Gynt gespielt, und die hat uns sehr gefallen. Vor allem deswegen, weil auch tiefgehende Charaktere darin vorkommen." So habe jeder und jede eine Rolle finden können, mit der etwas anzufangen war. Christoph Günschmann, der Lehrer des Literaturkurses, ist angetan von der Wahl der Schüler. "Ich finde es toll, dass sie etwas Ernstes spielen wollen, obwohl sie wissen, dass das auch ein Wagnis ist", sagt er. "Peer Gynt ist aber auch ein tolles Jugendstück voller Irrungen und Wirrungen." Die Schüler könnten sich daran entwickeln und Dinge ausloten, meint der Pädagoge. Allerdings musste der Text stark gekürzt werden, vor allem der zweite Teil des Stücks. "Der ist sehr schwer verständlich, ein bisschen wie Faust II", sagt Günschmann. "Deshalb haben wir ganze Szenen gestrichen, auch weil zum Teil sehr schwer verdauliche Inhalte vorkamen."

Die Inszenierung setzt auf ein sparsames Bühnenbild und arbeitet mit wirkungsvollen Lichteffekten. Die jugendlichen Schauspieler haben viele Stunden Improvisations- und Körperübungen hinter sich und fühlen sich auf der Bühne erkennbar wohl. Und weil es ein fantastisches Stück ist, das an vielen exotischen Orten spielt, gibt es auch viele leichte und lockere Rollen. "Ich spiele die Solveig und finde die Rolle faszinierend, aber ich spiele zum Beispiel auch in der Trollszene mit und das macht richtig viel Spaß", sagt Sophie.

Nico wiederum spielt die Hauptrolle, den Peer Gynt, eine ausgesprochen umfangreiche Rolle, denn er steht in jeder einzelnen Szene auf der Bühne. "Es ist ein Stück über Selbstfindung, und das gefällt mir", stellt er fest. Ihn spreche besonders die Szene an, in der Peers Mutter Aase stirbt. "Da realisiert er, was passiert, und akzeptiert endlich die Wahrheit."

Der Literaturkurs und sein Lehrer haben viel Arbeit in die Aufführung gesteckt, die am gestrigen Montagabend zum ersten Mal aufgeführt wurde. Wer sich davon überzeugen möchte, der hat noch am morgigen Mittwoch, 8. Juni, die Möglichkeit, sich davon selbst zu überzeugen. Denn um 19 Uhr wird sich ein weiteres Mal der übrigens selbst gemachte Vorhang in der Aula des Gymnasiums Rheindahlen heben, wenn die Reise eines jungen Mannes zu sich selbst beginnt.

Quelle: RP
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