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Mönchengladbach
Kabarett mit Anna Schäfer: Der Mann in ihr

Mönchengladbach. Die preigekrönte Kabarettistin Anna Schäfer spielte bei ihrem Auftritt mit typischen Klischees über Männer und Frauen und schlüpfte schließlich sogar selbst in die Rolle eines Mannes. Von Angela Wilms-Adrians

War es Wagemut oder einfach nur die Gewissheit, dass dieses Trio genial zusammenpasst? Zwei Männer standen Anna Schäfer zum Soloprogramm im Studio des Theaters zur Seite - und die durften sogar ab und an etwas sagen: Die Musiker Jochen Kilian und Kim Jovy hatten sich vom launischen Programmtitel "Der Mann in mir - muss der sein oder kann der weg?" nicht abschrecken lassen, und unter den Zuschauern machte der männliche Anteil mehr als ein Drittel aus.

Für alle gab es einen satirisch, ironischen und witzigen Umgang mit Lebensfragen. Wie viel Mann steckt in einer Politesse. Ist die "Korinthenkackerei" um Zentimeter bei Falschparkern typisch weiblich, oder vielleicht nicht doch eher bezeichnend für männliches Machtstreben, hieß es da. Die "Knallerfrau" Anna Schäfer umkreiste das Potenzial an Vorwänden, das dem Mann in der Frau zugeschrieben werden könnte, und entfaltete dabei auf der Bühne eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit.

Sie sang sich durch musikalische Genres, war frech, bissig, charmant, bei Bedarf auch herrlich hyperventilierend. Frappierend war ebenso die äußerliche Verwandlung. Mit Lockenkopf und Glitzertop zum salopp eleganten Outfit sang sie von ihren Alpträumen, ein Mann zu sein. Sie gab sich herausfordernd, ließ männliche Attitüden vom Macho bis zum Kavalier einfließen, war ganz zart und dann plötzlich lautstark schräg - immer zur Klaviatur der Mimik mit vielen Abstufungen von fragenden Kulleraugen bis zum zerknautschten Ausdruck.

Mit kecken Blick fragte sie die Musiker, ob diese nicht etwa auch zuweilen auf der Suche nach dem Mann in sich seien. Jochen Kilian wehrte scheinbar ab, um aber während des Abends sein darstellerisches Potenzial vom Flügel aus oder in Mini-Szenen spritzig einzubringen.

Kim Jovy gab mit schelmischem Understatement den Schweigsamen und punktete im gelassen karikierenden Umgang mit Klischees als einer von drei Anglern mit Wortspielen um das "Is was?". Denn, wenn Frauen "nix sagen, is was", aber bei Männern ist Schweigen normal.

Sie habe die Mutter so verstanden, als ob Jungen schon toll wären und Mädchen es erst noch werden müssten, persiflierte Schäfer. Lustvoll überzeichnete sie Vorstellungen von Single-Frauen und Vollprofi-Müttern. Sex war natürlich ein Thema, witzig verpackt im Wortspiel rund ums Auto. Beim rasanten Vokabular um Motorstärken, sinnierte Schäfer, ob Frauen vielleicht mehr Wert auf das passende Gefährt als auf den passsenden Gefährten legten und ob es sein könnte, dass sich Lebensgefährte von Lebensgefahr ableitet.

Als die preisgekrönte Kabarettistin als Andy Warhol auf die Bühne kam, musste jeder fast zweimal hinsehen, um sie wiederzuerkennen. Grandios entlockte sie diesem Part etwas entrückt Verrücktes. Mit wenigen Kunstgriffen wurde sie zum jungenhaften Typ und parodierte gestenreich rasant Prototypen.

Das augenzwinkernde Resümee des Abends war schließlich eindeutig: Der Mann in ihr, der kann nicht weg.

Quelle: RP
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