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Mönchengladbach
Klavierläufe blitzen durch alle vier Hände

Mönchengladbach. Das weißrussische Klavierduo Praleski gastierte im Rittersaal des Rheydter Schosses zum Abschluss der Reihe "Best of NRW". Zwei Stunden lang zeigte es sein Können an den Tasten. Von Armin Kaumanns

Wer es in den Kreis derer geschafft hat, die sich "Best of NRW" nennen dürfen, ist sicherlich auf dem Weg, Karriere zu machen. Oder hat zumindest einen ersten Schritt in diese Richtung getan. Auf dem übersättigten Markt talentierter Pianisten haben es zwei junge Frauen aus Weißrundland immerhin unter die besten in NRW geschafft. Und zwar als Klavierduo. Das ist eine Nische, wenn auch keine große. Denn auf diesem Gebiet gibt es seitens des Publikums eher mäßiges Interesse, eher wenig Literatur und nur einige wenige Weltklasse-Paare, die ungern etwas vom Kuchen abgeben.

Sei's drum. Das Klavierduo Praleski, das sind die mittelblonde Katsiaryna Mikhal und ihre langjährige Gefährtin, die schwarzhaarige Elmira Sayfullayeva, wird nun nach dem erfolgreichen Master-Studium in Aachen auch im Duo in Köln ausgebildet. Ein Stipendium und eben die Konzerte im Rahmen von "Best of NRW" sind Schritte hin zur Professionalität.

Im Rheydter Schloss setzen sich die beiden jungen, schlanken Damen nun also sehr freundlich lächelnd, in lange, armfreie Kleider und hohe spitze Schuhe gewandet, vors freundlich applaudierende, im Durchschnitt doch recht bejahrte Publikum und präsentieren ihre Kunst. Die eine in Rot, die andere in Lila.

Zwei Stunden, inklusive Zugabe, währt das Konzert. Die musikalische Reise führt von Mozart über Schubert zu Mendelssohn. Abstecher schauen bei Rachmaninow und Saint-Saens herein. Hübsch, gefällig. Die Damen haben gelernt, den musikalischen Gleichklang auch in Gesten und Bewegungen des Oberkörpers auszudrücken. Wenn sich im Andante von Mozarts KV 381 weiche Klangwolken aus dem Pedalnebel erheben, steht seliger Ausdruck in beiden Gesichtern; wenn das Scherzo aus Rachmaninows "Sechs Stücke opus 11" Scherze treibt, huscht ein Lächeln gleichzeitig über zwei Münder; wenn voller Schwermut später ein "Thème russe" erklingt, sind beide Mienen düster.

Wenn aber die rasanten Läufe in Mendelssohns "Andante und Allegro Brillante" blitzen und durch alle vier Hände hinauf und hinunter perlen, dann strahlen beide jungen Frauen vor Stolz über ihr großes, einträchtiges technisches Können am Klavier.

Vor dem berühmten furiosen, dem finalen "Danse Macabre" von Saint-Saens, eine Bearbeitung von Guiraud, ist vielleicht Mendelssohns Bravourstück das gelungenste des gesamten Abends.

Mendelssohn, der bekanntlich als junger Wilder die Salons auf seinen Konzertreisen zu entzücken wusste, hat hier eine Musik geschrieben, die die erotische Dimension dieser Besetzung ganz wunderbar, und wie augenzwinkernd zu Geltung bringt. Man spielt sich vor, umgarnt einander, die Arme verschränken sich wie balzende Schmetterlinge. Das macht beiden jungen Damen auch hörbar größte Freude, und dem Publikum ebenfalls.

Da ist längst ausgeblendet, dass der Rittersaal mit seiner (trotz der wunderbaren Wandteppiche) direkten Akustik nicht zum Klavierkonzert taugt, jedenfalls wenn Könnerinnen wie das Klavierduo Praleski in die Tasten greifen. Man mag den beiden talentierten Damen wünschen, dass sie sich am Markt behaupten mögen. Dazu sollten sie noch frecher, experimentierfreudiger werden.

Quelle: RP
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