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Mönchengladbach
Köstlich überzeichnete Charaktere

Mönchengladbach. Nächsten Samstag kommt die Komödie "Frau Müller muss weg!" auf die Bühne. Die Regisseurin Anja Panse gestaltet einen Elternabend zwischen Förderwahn und Wohlstandsverwahrlosung. Wir sprachen vor der Premiere mit ihr. Von Armin Kaumanns

Wie aus verhaltensauffälligen Kindern durchgeknallte Eltern werden - und was diese dann mit einer ganz netten Lehrerin und ihren noch netteren Sprösslingen anstellen: Das führt Lutz Hübners Erfolgs-Komödie "Frau Müller muss weg" exemplarisch und außerordentlich unterhaltsam vor. Eine Million Kinogänger haben das in diesem Jahr in Sönke Wortmanns Kinofilm (u.a. mit Anke Engelke) bereits erleben dürfen. Ab Samstag erwartet die Besucher des Stadttheaters dieses Vergnügen. Hier arbeitet zurzeit die Berliner Regisseurin Anja Panse erstmalig mit dem Gladbacher Schauspielensemble an dem 2010 herausgekommenen Theaterstück. Sie will es lustig haben und gleichzeitig zum Nachdenken anregen. Dazu hat sie ihr Team mitgebracht: die Ausstatterin Annette Meyer und die Musikerin Annegret Enderle.

Ein Elternabend. Der Elternabend vor dem Halbjahrszeugnis der vierten Klasse. Der Entscheidung, ob der Weg in Richtung Karriere (Gymnasium) oder Gosse (alles andere) weist. So jedenfalls sehen das die versammelten Mütter und Väter. Sie fürchten - nicht ohne Grund - dass gerade ihre Sprösslinge zur letzteren Gruppe gehören mögen. Und deshalb entziehen Sie der Klassenlehrerin Frau Müller kurzerhand ihr Vertrauen. Motto: Frau Müller muss weg! Dass die dann aber ganz anders auf dies Misstrauensvotum reagiert als geplant, entfacht bei den Eltern - im Klassenraum der Kinder - psychosoziale Kommunikationsprozesse mit erheblicher Sprengkraft. Und weil die Charaktere so köstlich überzeichnet sind, kommt man aus dem Lachen nicht mehr heraus.

So jedenfalls sieht das (einerseits) die aus Thüringen stammende Regisseurin, die zunächst die Schauspielschule in Rostock absolvierte, bevor sie die Seiten wechselte. "Es ist schön, für Stücke eine eigene Vision zu entwickeln", sagt sie dazu. Schauspieldirektor Matthias Gehrt hatte ihren "Zerbrochenen Krug" in Magdeburg gesehen und sie vom Fleck weg engagiert. Andererseits interessiert sie sich schon auch für das Konzept unserer Leistungsgesellschaft, dieser Welt zwischen "Förderwahn und Wohlstandsverwahrlosung", das Lutz Hübner so genüsslich aufgespießt hat. Anja Panse zitiert den erziehungskritischen Ansatz des Psychologen Arno Grün, der da lautet: "Wir werden als Unikate geboren und sterben als Kopien", um den Hintergründen, warum Lutz Hübners Stück so gut funktioniert und die handelnden Charaktere so typisch sind, auf die Schliche zu kommen.

Dazu ermuntert sie erst einmal die Schauspieler, den von "Futter" strotzenden Text möglichst plastisch umzusetzen. Natürlich eskaliert dieser Elternabend, die taffe Geschäftsfrau, der arbeitslose Vater, die alleinerziehende Mutter entlarven sich gegenseitig. Die Stimmung kippt, und am Schluss führt ein Clou die Situation ad absurdum. Und das alles in einem Klassenzimmer, das allein auf leerer Bühne steht. "Eine Art Bühne auf der Bühne", sagt Panse. Und fügt an, dass sie schon auch zeigen will, warum die Eltern so wurden, wie sie sind. Dass sie dazu Musik einsetzt, die Annegret Enderle eigens für diesen Abend komponiert hat, ist eine Besonderheit ihrer Arbeitsweise.

"Musik muss notwendig sein", sagt sie. Und lässt die Schauspieler vierstimmig im Chor singen. Die machen das gern, weiß sie jetzt auch. "Ein tolles Team", sagt sie.

Quelle: RP
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