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Mönchengladbach
Komponist probt mit dem Opernstudio

Mönchengladbach: Komponist probt mit dem Opernstudio
Manfred Trojahn (Mitte) bespricht mit Manon Blanc-Delsalle (rechts) die Interpretation eines seiner Schlegel-Lieder. Die anderen Mitglieder des Opernstudios (v.l.: Jan-Paul Reinke, Sebastian Seitz, Amelie Müller, James Park) hören zu. FOTO: Stutte
Mönchengladbach. Manfred Trojahn, Düsseldorfer Komponist von Weltrang, besuchte das Theater. Er studiert für die Ensemblia mit den vier Sängern und zwei Pianisten des Opernstudios seinen Liederzyklus "Abendröthe" nach Schlegel und Schubert ein. Von Armin Kaumanns

Am Ende wird auch das Publikum in den Genuss kommen, den kompletten Gedichtzyklus "Abendröthe" von Friedrich Schlegel als Liederabend zu erleben. Von Franz Schubert gibt es elf Lieder aus dieser 22-teiligen Sammlung, die sich, ganz romantisch, vor allem in der Schilderung von Naturbildern ergeht. Der Düsseldorfer Komponist Manfred Trojahn hat vor zwei Jahren die übrigen elf Gedichte für Stimme und Klavier selbst vertont und zu Schuberts Liedern gestellt. Und Andreas Wendholz, Operndirektor des Theaters, holte jetzt Trojahn an sein Haus, damit er mit den Mitgliedern des Opernstudios diesen Zyklus für die Ensemblia einstudiere. Am Samstag, 25. April, um 16 Uhr ist die Mönchengladbacher Erstaufführung im Theatercafé Linol.

James Park kommt wieder nicht bis zum Ende der Phrase. "Sei sofort da und verbinde das Wort auch über den Registerwechsel." Manfred Trojahn sitzt mit den anderen Sängern im Studio-Gestühl und unterbricht den koreanischen Tenor immer und immer wieder. Der steht einsam vorm Klavier, an dem Jan-Paul Reinke einen stetigen Puls an atonalen Akkorden der Gesangslinie unterlegt. Schlegels "Als die Sonne" klingt in Trojahns Tonsprache fast wie ein expressionistischer Opiumtrip, so bedeutungsschwer und weltabgewandt erscheinen Worte wie "mitteninne" oder "des Tages Mutter" in dem atonal kühlen Klangraster.

James Park hat hörbar keine Probleme mit den Tönen, und so kann Trojahn munter an den Eingeweiden seines Werks modellieren. "Ich bin kein Gesangslehrer, nur Flötist, aber ich weiß, wo das sitzt", sagt er angenehm unprofessoral in die immer wieder aufgelockerte Arbeitsatmosphäre. "Ja, das wird viel besser, wenn Du aufmachst", feuert der Komponist den jungen Tenor an - und die Kollegen fiebern mit und lernen für ihre eigenen Lieder.

Nach James Park haben der Bariton Sebastian Seitz, Amelie Müller (Sopran) Manon Blanc-Delsalle (Mezzosopran) sowie der zweite Pianist Yorgos Ziavras ihre Meisterkurs-Stunden noch vor sich. Zwei Tage nimmt sich der 65-jährige Trojahn Zeit für die Proben, bei denen alle Mitglieder des Opernstudios unschätzbare Erfahrungen sammeln. "Ich bin sehr froh, dass wir Unterstützer für dieses Projekt gefunden haben", streicht Operndirektor Andreas Wendholz. heraus.

"Auf Schuberts Lieder habe ich mich nicht bezogen. Ich habe mit meinen Sinnen versucht, Schlegels Gedankengänge zu verstehen und dafür einen Ausdruck in Musik zu finden." Das sagt Manfred Trojahn, während er mit der zierlichen Mezzosopranistin Manon Blanc-Delsalle arbeitet. Das ganze Lied bekommt heute niemand im Zusammenhang zu hören, zu viele Details treten hervor. Darunter ein Element im Klavierpart: "Das Cis/D muss klingen wie ein Signal, nimm es raus aus der Phrase", erklärt der Komponist. Mal hören, ob wir es bei der Ensemblia-Aufführung wiedererkennen. Dann wird auch Manfred Trojahn dabei sein und sein Werk gegenüber dem Publikum kommentieren. Der Eintritt zum Konzert am 25. April, 16 Uhr, ist frei - wie für alle anderen Ensemblia-Termine auch.

Quelle: RP
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