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Mönchengladbach
Kriminacht: Ein Schuss, ein Schrei

Mönchengladbach. Im TIG machten heimische Autoren und das Theater Werbung in eigener, spannender Sache. Von Armin Kaumanns

Diese "Kriminacht" ist ein Unikat. Deshalb hat, wer am Sonntag zur besten "Polizeiruf"-Zeit im Theater im Gründungshaus im fast voll besetzten Saal saß, einen einmaligen Abend erlebt. Alle anderen lesen in der Zeitung, wer der Mörder war. Oder auch nicht. Denn bei all der versammelten kriminalistischen Kompetenz, die da auf der schmuck mit Tatort-Utensilien dekorierten Bühne versammelt ist: Leichen sind Mangelware bei diesem ersten Gastspiel des Stadttheaters auf der Kleinkunstbühne in Eicken. Was der Spannung aber keinen Abbruch tut.

Zunächst einmal stimmen ganz wirkliche Profi-Sänger in Maske und Kostüm im Stil der altenglischen Dickens-Zeit Musical-Melodien an. Das ist hübsch anzuschauen, ein wenig bieder im Ton, aber eben aus dem Musical "Das Geheimnis des Edwin Drood", das demnächst in Gänze auf der Theater-Bühne zu sehen sein wird. Da geht es, sagt jedenfalls die angenehm durchs Programm führende Dramaturgin Ulrike Aistleitner, um die Frage nach dem Mörder. Die aber, weil dieser Krimi unvollendet blieb, muss das Publikum beantworten. Kaum haben die Sänger Ruh, beginnt eine Art Lese-Wettstreit, zu dem vier Krimi-Autoren an vier Schreibtischen sitzen. Ina Coelen aus Krefeld, Organisatorin der dortigen "Criminale", liest von einem unfreiwilligen Schutzgelderpresser und einer pittoresk Krefelder Platt sprechenden Kioskbesitzerin, bis ihr ein lauter Schuss ins Wort fällt, woraufhin ihr Kollege Carsten Steenbergen aus Neuss mit einer Wodka-triefenden Geschichte aus dem Ukraine-Krieg einsetzt. Nach dem nächsten Knall-Effekt (mit manchem Schrei aus dem Publikum) ist Thomas Hoeps an der Reihe, Krefelder Leiter des Gladbacher Kulturbüros. Er passt per Stoppuhr seine skurrile Banküberfall-Erzählung an die martialische Knallerei an, bevor der Düsseldorfer Altstadtwache-Kommissar Klaus Stickelbrock sein Publikum mit einer Szene auf dem Friedhofsamt herzhaft zum Lachen bringt.

Auch die zweite Lese-Runde bleibt amüsant, vor der Pause hört und sieht man noch mal Musical-Portiönchen, dann sind die Jazzmusiker vom "Last Minute Quartett" an der Reihe. Sie improvisieren über teils nur wenigen bekannte Krimi-Melodien von Pink Panter bis Tatort, deren Erraten mit Eintrittskarten belohnt wird.

Schließlich lesen auch noch die beiden Theaterchefs aus ihren Lieblingskrimis. Theater-Intendant Michael Grosse hat sich die Vorstellung eines brummigen Kommissars aus der Feder von Lars Brede ausgesucht, Hans Peter Steffens vom TIG ergeht sich in lustigen Details aus einem Erdmännchen-Krimi, der natürlich im Zoo spielt. Hier gibt's eine Leiche im Flamingo-Gehege, bis eine Dame aus dem Publikum "Schuss" ruft und die Lesung beendet. Mit Jazz-Musik geht's dann in einen erfrischend fernsehfreien Abend.

Quelle: RP
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