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Mönchengladbach
Wie der Hase die Welt sieht

Künstlerin Friederike Hinz "Wie der Hase die Welt sieht"
Friederike Hinz in ihrem Atelier in Lüttelforst vor dem großformatigen Druck „Massaker von Idaho“. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Sie hat die Langohren für sich entdeckt und erforscht: Friederike Hinz ist neue c/o-Künstlerin im Kulturbüro. Wir haben sie besucht. Von Inge Schnettler

Sie sind auf der Flucht. In rasender Geschwindigkeit hetzen sie über das Feld, versuchen sich irgendwie irgendwo in Sicherheit zu bringen. Was nicht gelingen kann. Kein Strauch, kein Baum bietet ihnen Schutz. Sie sind ausgeliefert. "Massaker von Idaho" ist der großformatige Druck betitelt, der im Atelier von Friederike Hinz an der Wand hängt. "Ich hatte von einer Hasenplage in Idaho gelesen", sagt die Künstlerin. "Da sind die Bauern auf die Felder gegangen und haben die Tiere totgeschlagen." Das Bild habe eine neue, unerwartete Aktualität erlangt. "Es passt zur Weltlage und der Flüchtlingsthematik."

Seit 1979 ist der Hase das Thema von Friederike Hinz, die in diesem Jahr vom städtischen Kulturbüro in den Reigen der c/o-Künstler – als eine von nur dreien – aufgenommen wurde. Damals, 1979, studierte sie im ersten Semester Visuelle Kommunikation in Düsseldorf. "Ich ahnte nicht, dass mich der Hase all die Jahre faszinieren und beschäftigen würde." Tat er aber – und tut es bis heute.

Eine besondere Eigenart des Hasen hat sie zu mehreren großformatigen, mehrteiligen Arbeiten inspiriert. "Der Hase hat als Fluchttier eine komplette Rundumsicht", erklärt Friederike Hinz. "Er sieht allerdings nur zehn Prozent genau vor sich und zehn Prozent genau hinter sich wirklich klar. Alles andere ist verwischt. Auf zehn großformatigen Bildern, die im Kreis angeordnet sind, zeigt sie malerisch, wie der Hase die Welt sieht – unscharf in weiten Teilen, scharf nur in zwei Segmenten – genau gradeaus und exakt hinter sich. Der Betrachter mag sich irritiert die Augen reiben, die Unschärfe bleibt.

Vor 19 Jahren ist Friederike Hinz – nach dem Studium in Düsseldorf und Aufenthalten in München und Italien – zurückgekehrt in ihr Elternhaus in Lüttelforst. Idylle pur, man hört die Blätter auf den Boden fallen. Unglaublich. "Nach erlebnisreichen, oft hektischen Jahren, brauchte ich die Ruhe", sagt Friederike Hinz. "Hier kann ich mich konzentrieren." Und tolle Gerätschaften hat sie gefunden im alten Haus: Scheren, die zur Schafschur benutzt wurden, und Scheren zum Schneiden von Buchsbäumen – verrostet, vergessen. "Ich sah in den gebogenen Griffen sofort Hasenohren." Sie zog den groben Stoff alter Kartoffelsäcke auf Keilrahmen und befestigte die Scheren kopfüber darauf. Natürlich sind das keine Griffe, das sind Hasenohren, was sonst?

Welche Assoziation hat der Mensch im allgemeinen noch mit dem Bild vom Hasen? Klar – das Tier vermehrt sich gern und häufig. Und so hat Friederike Hinz eine ganze Serie kopulierender Hasen gestaltet. Der farbige Hintergrund wechselt, die Hasen verharren in ihrer Stellung. Eine Auflagenarbeit auf Filzpappe – sehr schön. "Dabei ist die Pappe aus dem Baumarkt, echt nicht hochwertig, aber sehr effektvoll", sagt die Künstlerin.

Dann gibt es da noch den Hasen auf dem Sofa – in unterschiedlichen Positionen, den Hasen im Raumanzug auf dem Mond, den Hasen eingestrickt – samt Ohren – in roter Wolle. Da hat er es im Winter schön muckelig warm.
Nebenbei betreibt Friederike Hinz eine Kunstschule in dem alten Brandshof, in dem sie lebt und arbeitet. Kinder, Jugendliche und Erwachsene lernen bei ihr – in dieser schönen Umgebung, in dieser herrlichen Ruhe.

Weitere Informationen www.kunstschule-brandshof.de

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