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Thema Kulturnacht
Kulturgenuss für jeden Geschmack

Nachtaktiv in Mönchengladbach
Nachtaktiv in Mönchengladbach FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Der OB streichelt einen falschen Esel, Balletttänzer lassen sich bei der Probe beobachten, DJs bitten an die Plattenteller - so war "Nachtaktiv". Von Christian Oscar Gazsi Laki

Unter dem Motto "4 Quartiere - 1 Nacht" bot die 6. Mönchengladbacher Kulturnacht am Samstag den Besuchern ein reichhaltiges Angebot - mit 174 Programmpunkten, mehr als 340 Aufführungen und 49 Veranstaltungsorten.

Quartier Rheydt: Einer der Höhepunkte im diesjährigen Nachaktiv-Programm des Theaters Mönchengladbach war die öffentliche Probe mit Mitgliedern des Ballettensembles. Viele Besucher hatten sich im Studio des Theaters versammelt, um etwas zu erleben, was sonst im Verborgenen geschieht. Und es lohnte sich. Ganz authentisch und ohne Show, wie versichert wurde, probte der Tänzer Takashi Kondo in der Rolle des Choreographen mit dem Ensemble seine Ideen für "Shalom". Das Projekt Choreografie-Werkstatt, in dem Tänzer selbst zu Choreografen werden, bietet Ensemblemitgliedern die Chance, ihre eigenen Ideen zu verwirklichen. Beeindruckend zu erleben, wieviel Arbeit hinter den so perfekten Ballettinszenierungen steckt. Die Premiere ist übrigens am 12 Juni.

Kennen sie Astro-Shows im Fernsehen? Im Falle der DT-Astroshow in der Stadtteilbibiolthek Rheydt, nahmen Dieter Breymann (Rechtsanwalt, Ratsherr) und Thomas Hoeps (Autor, Kulturbüro-Leiter) jene Abstrusitäten der TV-Wahrsagerei erbarmungslos auf die Schippe. Sympathisch und bitterböse, ließen sie Lokalpolitisches, Gesellschaftliches oder was sonst noch so die Rheydter Geister bewegt zu einer gelungenen Blödelei verschmelzen. Da wurde mit Hilfe von Eseln, Kartendecks, Kristallen und Currywurst so manche gewichtige Frage beantwortet. Als Erkenntnis blieb zuletzt: Das neue Wappentier der Stadt wird der Esel. Zuvor ging es noch um Mülltonnen, Tiefgaragen, Sport, Karneval und vieles mehr.

FOTO: Raupold Isabella

Quartier Eicken/City: Der Tunnel Heinrich-Sturm-Straße gehört sicherlich nicht zu den kunstvollsten Orten der Stadt - eigentlich. Doch DJ Key und Christoph Wassenberg verwandelten diesen "Unort" im Rahmen des Quartier-Specials Eicken/City in ein Gesamtkunstwerk. Aus ihm wurde mithilfe des Quartiersponsors Camdata eine "coole Gasse". Unter dem Titel "...durch diese coole Gasse müsst ihr lauschen" bespielten die beiden Klangkünstler den Tunnel, der ganz verdunkelt wurde und mit Nebel gefüllt schon mit Urängsten der mutigen Begeher spielte, in einen Ort voller Klang.

Ausgetüftelte Klangrückkopplungen und ein Live-Sound erzeugten einen Klangraum, der zwischen Unbehagen und mystischer Tiefe changierend beeindrucken konnte - wenn man sich darauf einließ. Wie auf dem Weg durch die Tiefen der Erde zu einem vielleicht besseren Ort konnte man sich fühlen, vorsichtig im gänzlichen Dunkel schreitend und auf das Licht am Ende des Tunnels hoffend. Sphärische Klangmagie.

Eselausstellung: Initiator Norbert Krause (links) hatte die Bürger aufgerufen, Bilder und Objekte zum Thema Esel einzureichen, nun präsentierte er die Werke zur Kulturnacht im Ratssaal der Abtei. Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners war ebenfalls zu Gast und versuchte sich am Eselschwanzspiel. FOTO: Raupold, Krause

Quartier Abteiberg: Das KAF-Kollektiv, eigentlich Studenten der Kulturpädagogik, wollte ursprünglich im Skulpturengarten des Museums Abteiberg mit seinen bunten Installationen für ein "Picknick hinter'm Mond" sorgen. Kollagen, Traumfänger, Picknickdecken mit vielerlei Artefakten sollten dabei den Garten durchziehen. Und auf einer Bühne sollte es Sounds von DJ Echoel geben und anschließend die Band Culture Resonance mit gezupften und getrommeltem Ethno-Sound spielen. Die Wettervorhersage ließ jedoch Schlimmes erahnen, so dass das bunte Spektakel in das Hotel Oberstadt verlegt wurde; das passte aber auch vortrefflich. Gut zu spüren, wieviel Gestaltungswille in den jungen sympathischen Kulturvermittlern verborgen liegt.

Einen Kurzhaarschnitt verpasste derweil das Theater Krefeld-Mönchengladbach dem Foyer des Museum Abteiberg und bewies, wie gut sich die Räume doch eigentlich für Musik eignen. Mit einer spritzig-bündigen Version von Rossinis "Der Barbier von Sevilla" brach die volle Wucht der Opera buffa über das sonst durch erhabene Stille geprägte Atrium vor dem Café des Museums. Man braucht halt nicht immer die große Bühne, um die Seele eines Werkes zu transportieren. Eine großartige Idee - szenisch arrangiert von Alexander Korjagin, mitreißend umgesetzt durch Ensemble, Opernstudio und Sinfoniker.

Quartier Altstadt: Auch die Kulturküche bot Musik-Acts für Nachtaktive. Darunter der Ausnahme-Gitarrist Pierre Pihl und der "modern urban" Hip-Hopper Omaure. Ersterer entzückte das Publikum mit seiner überraschend eigentümlichen Technik, mit dessen Hilfe ganze Instrumental-Songs allein gestaltbar sind. Mit Händen und Füßen spielte er zwei Gitarren, klopfte Beats und ließ kunstvolle Songs entsprießen -die, wenn man die Augen schloss, niemals hätten vermuten lassen, dass es nur ein Musiker ist, der auf der Bühne steht bzw. in seinem Falle sitzt. Omaure gab seine englischen Raps zu Gehör. Mit viel Gespür und verschlossenen Augen sensibilisierte er seine Zuhörer für die Nuancen seines Sprechgesangs.

Die Vinyl Garage wurde währenddessen auf drei Ebenen bespielt. Zunächst gab es die Sound-Kunst von Mirko "Maze161" Tanaskovic mit seinem DJ-Set, was die Freunde von kreativen Elektrosounds und -beats höher schlagen ließ. Im Keller ließen Stefan Sturm, Marius Müller, Thomas Volbach und Philipp Königs gründerzeitliche architektonische Reminiszenzen zum Leben erwecken. Mit Fotographien und Multimedia nutzten sie die Kellerräume, die an sich schon eine gedrückte Stimmung transportierten, um für unseren - oft unerhört gedankenlosen - Umgang mit dem architektonischen Erbe unserer Vorväter zu sensibilisieren. Wenn man seine Augen offen hält, sieht man indes, dass es um die Gründerzeitarchitektur am Niederrhein trotz der zahllosen Kriegsschäden doch nicht so schlecht bestellt ist - zu hoffen ist, dass es auch so bleibt.

Um offene Augen ging es auch in der Instagram-Ausstellung im Dachgeschoss: Das "MG anders sehen"-Kollektiv um Hannah von Dahlen gestaltete den Versuch, digitale Fotos - unter dem gleichnamigen Hashtag gesammelt - als Tapete für die Wände nutzend ein breitgefächertes Bild der Stadt zu geben. Sehr imposant.

Quelle: RP
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