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Mönchengladbach
Kunterbunte Netzinstallation mit vielen Anknüpfungspunkten

Mönchengladbach. Kreativwerkstatt beim SKM Rheydt: Zwei Studentinnen der Hochschule arbeiten mit Flüchtlingen. Die Werke werden präsentiert. Von Hanna Banholzer

Ein kleines Faltbötchen baumelt aus dem Netz, gespannt aus bunten Fäden. Daneben ein Herzanhänger aus farbigem Papier. Immer wieder treten Besucher heran und bringen neue gebastelte Elemente ins Gebilde ein. Andere knüpfen Fäden an, verbinden schon Vorhandenes mit neuen Linien, sie vernetzen sich. Die Patchwork-Installation, zu welcher sich Shekiba, eine der Teilnehmerin des Kreativworkshop im SKM, von einem persischen Sprichwort inspirieren ließ, lädt zum Mitmachen ein. Dank des von den beiden Initiatorinnen Sophia Firgau und Tabea Pippke reich gedeckten Materialbuffets lassen kreative Mitgestalter nicht lange auf sich warten.

Seit Anfang des Jahres gestalten die beiden angehenden Kulturpädagoginnen regelmäßig diese offene Kreativwerkstatt im SKM Rheydt, anknüpfend an das parallel stattfindende Café Welcome. Als Erweiterung gedacht, kommt an diesem Freitagnachmittag ein Café-Besucher nach dem anderen neugierig in den Kunstraum herüber, bis sich schließlich die Mehrheit der Leute im Werkzimmer verteilt haben. Eine Mischung aus Flüchtlingen, Ehrenamtlern und interessierten Bürgern jeden Alters und Geschlechts treffen hier aufeinander. Sie können malen, basteln oder einfach munter miteinander plaudern. Kommunikationsschwierigkeiten? Werden spielerisch und mit viel Improvisationstalent gelöst. Wie beispielsweise ein älterer Herr, der inzwischen regelmäßig mit Schachbrett unter dem Arm vorbeikommt. Bei den Partien, die konzentriert in einer ruhigen Ecke des Raumes ausgetragen werden, versteht man sich auch ohne viele Worte.

An einer anderen Stelle kleckst ein Kleinkind fröhlich mit Fingerfarben auf eine große Rolle Papier, welche über dem Tisch ausgebreitet ist. Noch viel weiße Fläche ist frei und lädt ein, die nächsten Wochen gemeinsam daran weiterzuarbeiten und sich darüber auszutauschen. Das ist Kommunikation auch jenseits des gesprochenen Wortes. "Es ist sogar schon vorgekommen, dass jemand plötzlich seine Violine herausgeholt hat und ein anderer Besucher ihn spontan dazu auf der Gitarre begleitete." Auf einmal habe ein richtiges kleines Konzert stattgefunden, erzählt Stephan Tötsches, Leiter des Café Welcome. Je vielfältiger, desto besser, das sei hier die Devise. Und dass aus dieser Heterogenität eine ganz eigene Dynamik entsteht, ist spürbar.

Nicht zuletzt ist es Sophia Firgau wichtig, dass nicht nur über die geflüchteten Menschen gesprochen wird, sondern dass sie die Möglichkeit bekommen, selbst in Erscheinung zu treten. "Wir wollen signalisieren: Eure Arbeiten sind es wert, gezeigt zu werden." Gelegenheit dazu gibt es: Im Rahmen der interaktiven Ausstellung "Between Borders" vom 3. bis 5. Juni werden neben vielen weiteren spannenden künstlerischen Beiträgen die Arbeiten präsentiert. Ein DJ für die Finissage wurde diesen Freitag auch spontan in der Gruppe gefunden - so etwas ergibt sich halt, wenn Menschen sich vernetzen. Wer anknüpfen will, an der Patchwork-Installation und mit den Menschen vor Ort, ist herzlich eingeladen.

Workshop ab 13. Mai immer freitags von 15 bis 17 Uhr im SKM Rheydt an der Waisenhausstraße; interaktive Ausstellung "Between Borders" vom 3. bis 5. Juni im SKM. Informationen unter: facebook.com/betweenborders2016

Quelle: RP
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