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Mönchengladbach
Lebenswerk aus Russland mitgebracht

Mönchengladbach. Der aus St. Petersburg stammende Künstler Anatoly Bolkhontsev (83) lebt seit 20 Jahren in Mönchengladbach. Er sucht einen Ort für die Präsentation seines bildnerischen Lebenswerks. Von Dirk Richerdt

Seit 20 Jahren lebt Anatoly Bolkhontsev, zusammen mit seiner Frau Sofia, in Mönchengladbach. Als er seine Heimat St. Petersburg verließ, war die Sowjetunion bereits Geschichte. "Meine persönliche Geschichte, zusammengefasst in 200 Ölbildern von meiner Staffelei, habe ich damals mit nach Deutschland genommen", sagt der 83-jährige Maler. Markante Gestalten und Ereignisse aus der Geschichte seines Landes seit der Revolution haben den Maler, der 1960 sein Studium am Repin-Institut in Leningrad abschloss, seit jeher interessiert. Aber nie schilderte er sie nach dem politischen Propaganda-Gusto der Mächtigen in der UdSSR. Vielmehr bevorzugte Bolkhontsev die kritische, ironisch-sarkastische Zuspitzung. So hat er auf seinem Bild "Der Rote Platz" Stalin, Molotow und Berija mit Gerippen und Totenschädeln konfrontiert. Grimmige Groteske beherrscht auch die Darstellung einer Militärparade mit Parteichef Chruschtschow zur Zeit der Kubakrise 1962 oder die "Begegnung" von Stalin mit dem chinesischen Revolutionsführer Mao-tse-Tung. Zwei Massenmörder auf Augenhöhe. Ein weiterer Parteichef, Leonid Breschnew, erscheint auf einem Bild in einer von Orden übersäten Uniform. Dabei hebt der rote Hut des Politikers regelrecht ab. Ein Detail, das dem ganzen Bild eine komische Note verleiht.

"Ich male seit meiner Kindheit", erzählt Anatoly Bolkhontsev, der seit 1964 dem Künstlerverband Russlands angehört. "Und ich kann ohne zu malen nicht leben", fügt er sofort an. Gemäß der malerischen Tradition seines Landes bevorzugt er große Formate. Er malt konsequent gegenständlich, wobei surreale, groteske und fantastische Motive durchaus den Naturalismus infrage stellen. An Chagall erinnert das 2008 gemalte Bild "Liebesdreieck", auf dem zwei Tänzerinnen wie schwerelos erscheinen.

Bolkhontsev verehrt einen großen Kollegen seiner Zunft, der ganz und gar nicht gegenständlich gearbeitet hat: Kasimir Malewitsch, den Begründer des russischen Suprematismus. Dessen epochales Bild "Das schwarze Quadrat" hat er wiederholt in eigenen Arbeiten zitiert. Anfang 2016 wurden diese anlässlich des vor 100 Jahren entstandenen "Quadrats" von Malewitsch in einer Ausstellung der Interkulturellen Familienbibliothek Rheydt gezeigt.

Nun hat der 83-jährige, von einer schweren Krankheit gezeichnete Maler Anatoly Bolkhontsev einen "besonderen Traum": "Ich würde mich unheimlich freuen, wenn ich Gelegenheit zu einer Querschnittschau meines Lebenswerkes in Mönchengladbach oder Umgebung bekäme", sagt der 83-Jährige. Angesichts der bis zu drei Meter breiten Formate seiner Bilder wäre das schon raumtechnisch allerdings nicht leicht zu realisieren. "Aber wir hoffen weiter", bekräftigt Ehefrau Sofia das ehrgeizige Vorhaben.

Kontakt: A. und S. Bolkhontsev, Telefon 02161 836328.

Quelle: RP
 
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