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Mönchengladbach
Märchenhafter Instrumental-Gesang

Mönchengladbach. Die Klarinettistin Sharon Kam und ihr Trio sorgen beim 1. Meisterkonzert für ein Highlight der neuen Konzertsaison. Von Dirk Richerdt

Peter Schlipköter ist "überglücklich". Er freut sich, dass es gelungen ist, die auf internationalen Podien gefeierte Klarinettistin Sharon Kam für den Auftakt der Meisterkonzertserie zu gewinnen. "Das Gastspiel ist nur möglich, weil der Verein der Musikfreunde das Konzert fördert", betont der Geschäftsführer der Marketing Gesellschaft. Und dann ist Sharon Kam, die 46-jährige Solistin aus Israel, die mit ihrer Familie in Hannover lebt, schon vor Konzertbeginn zur Stelle. Im Balkonsaal der Kaiser-Friedrich-Halle stellt sie, zusammen mit ihrem Bruder, dem Bratschisten Ori Kam (42), das Programm vor. Im Gespräch mit dem Musikexperten Christian Oscar Gazsi Laki erklärt Kam, dass sie sich seit langem zur Oper hingezogen fühlt. "Obwohl meine gesanglichen Möglichkeiten kurz über Null liegen", gibt sie lächelnd zu. So ist sie seit ihrer frühen Jugend darauf aus, das Spiel auf ihrer Klarinette der menschlichen Stimme möglichst ähnlich zu machen.

Daher setzt sie im Konzert vor 600 Zuhörern Schumanns "Märchenerzählungen" für Klarinette, Viola und Klavier an den Anfang. Vier Lieder ohne Worte, die mit ihrer lyrischen, auch melancholischen Stimmung die Gehörgänge streicheln. Sharon Kam verstärkt dies durch außerordentlich bewegungs- und gebärdenfreudige Spielweise, die stets verdeutlicht, dass Musik den ganzen Körper der gertenschlanken Musikerin im schwarzen Abendkleid erfasst. Samtweich ihr Ton, souverän ihr dynamischer Ambitus, der die melodischen Linien stets organisch ohne Registerbrüche zusammenhält. Im dritten Stück nimmt auch Bruder Ori die Chance wahr, seine Viola mit schönen Kantilenen zum Erblühen zu bringen. Später wird auch der 1982 in Tel Aviv geborene Pianist Matan Porat Gelegenheit erhalten, in drei Moments musicaux von Franz Schubert als Solist ausgereifte gestalterische Präsenz zu beweisen. Ein Ästhet und Feingeist, der das Publikum anrührt, ohne dabei mit Virtuosenhandwerk zu blenden.

Die "Zwei Gesänge" op. 91 von Johannes Brahms hat Sharon Kam von der original für Altstimme komponierten Fassung in die eigene Klarinettenwelt übertragen. Hier "singen" beide Melodieinstrumente wunderschön im "Duett", die Viola wie das Rohrblatt-Instrument. Im zweiten Gesang erkennen wir rasch dessen Vorlage, das Weihnachtslied "Josef, lieber Josef mein". Den romantischen Reigen beschließt ein munterer Klassiker, Mozarts "Kegelstatt-Trio". Gefällig, lieblich, leichtfüßig - und immer transparent.

Da ist es löblich, dass in der Konzertmitte mit Béla Bartóks "Kontrasten" ein markanter Gegensatz auch im Vortragsstil erfolgt. Hier sind drei Wirbelwinde, die einander bestürmen, am Werk, die Bartóks Spaß an spannungsvollen Rhythmen und tänzerischer Ausgelassenheit meisterhaft vermitteln. Leidenschaft pur bis zum Ende!

Quelle: RP
 
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