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Mönchengladbach
Mein Bach: Die Lieblingsstücke von Susanne Titz

Mönchengladbach. Schon lange stand das Konzept für das erfreulich gut besuchte Konzert in Rheindahlens Kirche St. Helena fest. Eine klare Arbeitsteilung war vorgesehen: Die Direktorin des Museums Abteiberg, Susanne Titz, durfte sich Werke des von ihr so geliebten Komponisten Johann Sebastian Bach aussuchen, WDR3-Redakteur Hans Winking sollte fachmännische Kommentare dazu geben, Reinhold Richter würde auf "seiner" Seifert-Orgel die Werke spielen und Susanne Titz das Ganze moderieren. Doch Richter musste das Konzert mit einer traurigen Nachricht eröffnen. Völlig unerwartet starb Winking im August im Alter von nur 67 Jahren. Von Gert Holtmeyer

So musste das Konzert mit einer veränderten Konzeption durchgeführt werden. Susanne Titz, die betonte, zwar Fachfrau für bildende Kunst, nicht aber für Musik zu sein, erläuterte die Werke. Sie sprach über Bachs Musik aus zwei ganz anderen Perspektiven, als Hans Winking dies vorhatte.

Einmal teilte sie bereitwillig mit, was sie als Musikliebhaberin - auch ohne wissenschaftliche Fachkenntnisse - an Bach so sehr fasziniert. Und dann betrachtete sie Bach ganz aus dem Blickwinkel ihres eigenen Fachgebiets: Sie zog Vergleiche zwischen den kühnen Konstruktionen der Bachschen Musik und den Konstruktions-Prinzipien der Moderne in der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts. Bach, so meinte sie, habe schon deutlich früher als die Malerei zur Abstraktion gefunden. Und, wie im Choral "O Mensch, bewein dein Sünde groß", schimmere so etwas wie Endlosigkeit durch, werde eine Ahnung von Ewigkeit symbolisch angedeutet. Auch wenn aus praktischen Gründen das Stück natürlich irgendwann aufhören muss: An dieser Sicht ist zweifellos etwas dran.

Reinhold Richter hatte sich auf ein hartes Stück Arbeit eingelassen, denn einfach war das Programm nicht. Umso mehr verdient Anerkennung, wie gut er seine Aufgabe löste. Auch wenn nur ein Komponist auf dem Programm stand - von Eintönigkeit konnte keine Rede sein, es ging höchst abwechslungsreich zu. Heitere, muntere Werke wie die Trio-Sonate C-Dur BWV 529 wechselten mit ernsten wie der letzten, unvollendeten Fuge aus der "Kunst der Fuge", in der Bach die Buchstaben seines Namens in Töne setzt.

Richter begann mit "Passacaglia und Fuge c-moll" BWV 582, einem eindringlichen Werk. Mit markanter Registrierung setzte er den - für die Passacaglia typischen - gleich bleibenden Bass deutlich von den Umspielungen ab. Geschickt war auch die Wahl der Klangfarben in langsamen Sätzen, denen er durch Labial-Register Leichtigkeit verlieh. Auch Bachs Bearbeitung des Vivaldi-Konzerts für zwei Violinen erklang in klarer Strukturierung.

Mit der Toccata und Fuge d-moll BWV 565 wurde das Konzert mit einem der bekanntesten Werke des Thomaskantors beschlossen. Hervorzuheben sind auch hier die klare Artikulation und die deutlichen dynamischen Schattierungen in Richters Interpretation.

Quelle: RP
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