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Mönchengladbach
Messias: Wie Wolfgang A. Mozart Neues im Alten hörbar macht

Mönchengladbach. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich die Chorprojekte der Pfarrkirche Sankt Laurentius Odenkirchen. Rund 130 Sängerinnen und Sänger bildeten den Chor bei Händels "Der Messias". Und die Nachfrage des Publikums ließ ebenfalls nichts zu wünschen übrig; nach freien Plätze suchte man in der großen Kirche vergebens. Von Gert Holtmeyer

Nicht die Händelsche Originalfassung stand auf dem Programm, sondern die Bearbeitung durch Mozart. Die ist hochinteressant. Man ist dauernd hin- und hergerissen, ob das soeben Gehörte so klingt, wie man es kennt oder nicht doch ganz anders. Spätestens beim berühmten "Halleluja" wird klar: Mozart beließ es beim Alten und schuf trotzdem Neues, dieser Spagat gelang ihm. Als gewiefter Operndramatiker straffte er das Ganze durch gezielte Kürzungen und brachte durch eine andere Instrumentierung eine neue, originelle Klangfärbung ins Spiel. Dabei schreckte er auch vor Anachronismen nicht zurück: Händel mit Klarinetten zu besetzen, verstieß schon damals gegen das Gebot der historischen Korrektheit. Und genau das war Mozarts Absicht, er wollte Neues im Alten hörbar machen. Und so hatte er auch keine Probleme damit, in der Instrumentierung vom Text abzuweichen. Während der Bass von der Posaune singt, lässt Mozart statt einer Posaune ein Horn erklingen. Natürlich ist das keine Unaufmerksamkeit, es klingt eben raffinierter. Überhaupt: Die Instrumentierung wird sehr differenziert gehandhabt. Nur selten spielen alle Bläser gemeinsam, sie werden in immer neuen Kombinationen eingesetzt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist lediglich die Tatsache, dass bei Rezitativen auf ein Tasteninstrument wie Cembalo oder Orgel verzichtet wird und - sofern nicht die Streicher insgesamt die Begleitung übernehmen - lediglich ein Cello für die Unterfütterung zuständig ist.

Die Aufführung darf als gelungen eingestuft und getrost der Chronik der Odenkirchener Sankt-Laurentius-Konzerte als weiterer Höhepunkt hinzugefügt werden. Der volle Chorklang beeindruckte. Dass heutzutage in einem Chorprojekt die Frauenstimmen zahlenmäßig und damit auch stimmlich dominieren, ist wohl der Normalfall. Allerdings: Als beispielsweise im Chor "Der Herr gab das Wort" die Männerstimmen allein gefordert waren, war sehr wohl eine imposante Klangfülle zu hören.

Gut besetzt war das Solistenquartett. Tenor Robert Hillebrands verfügte nicht ganz über die Strahlkraft der drei anderen, aber auch er gefiel als kultivierter Interpret der Rezitative und Arien. Christine Léa Meier (Sopran) und Sibylla Löbbert (Alt) erwiesen sich als sichere, durchsetzungsfähige Sängerinnen. Für den erkrankten Volker Mertens sprang Thomas Peter ein. Den kennt und schätzt man bereits von seinen überzeugenden Oratorien-Einsätzen in der evangelischen Hauptkirche her. Er gefiel auch diesmal mit seinem sonoren Bass.

Gut besetzt war auch das Orchester mit Mitgliedern der Niederrheinischen Sinfoniker. Da für die Koordination von Chor und Orchester nicht beliebig viele Proben möglich waren, kam es auf erhöhte Geistesgegenwart der Hauptverantwortlichen an. An der mangelte es weder bei Konzertmeisterin Chisato Yamamoto noch bei Dirigentin Stephanie Borkenfeld-Müllers, die wieder alles gewissenhaft einstudiert hatte. Langer, herzlicher Beifall.

Quelle: RP
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