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Mönchengladbach
Mit der Blaumacherei unterwegs

Mönchengladbach. In aller Seelenruhe tunkt Norbert Krause den Stoffbeutel in den Sud. Zieht ihn wieder aus der stinkenden Brühe, wringt ihn, begutachtet die Farbentwicklung, ab geht es mit dem guten Stück zurück in den Topf. Der Konzeptkünstler steht mit seiner Blaumacherei auf dem Kapuzinerplatz zwischen Bäckerwaren, Obst und Gemüse. Die prächtig blau gefärbten Taschen hängt er fein säuberlich auf den Wäscheständer, der aussieht, als gehöre er in eine Puppenstube. "Das ist der kleinste, den ich kriegen konnte", sagt er. "Ich habe die Beine zusätzlich auch noch gekürzt, damit er gut zu transportieren ist." Die mobile Blaumacherei besteht aus einem Lastenfahrrad mit Aufbau. Alles, was Norbert Krause mit sich führt, muss in dem Kasten verstaut werden. Von Inge Schnettler

Ruth Gallois steuert neugierig auf den Stand zu. "Guten Tag, was machen Sie hier?", fragt sie. "Ich mache blau", sagt Krause. "Wie bitte?" Norbert Krause erklärt seine Aktion: "Ich mache aufmerksam auf das Textiltechnikum und die Farbensammlung, die in der Ausstellung zu sehen ist." Und natürlich auf den Vorgang des Färbens an und für sich: "Am Niederrhein wurde immer schon gefärbt. Traditionell nutzte man hierfür Färberwaid. Um aus diesem den Indigo-Farbstoff zu gewinnen, wurden die Blätter zu einem Brei verarbeitet und im späteren Verlauf mit Urin versetzt. Da Bier den Harndrang fördert, lag blau sein und blaumachen nicht nur sprachlich nah beieinander." Statt Urin verwendet Krause Natronlauge und Natriumdithionit. Das riecht aber auch nicht besser. Ruth Gallois bedankt sich, nimmt Informationsmaterial mit und geht ihres Weges.

Vier Stunden hält Norbert Krause auf dem Kapuzinerplatz die Stellung. Schrecklich viel ist nicht los an diesem Vormittag. "Aber eben habe ich schon eine Tischdecke blau eingefärbt", sagt der Künstler. Eine Frau nähert sich der Blaumacherei. Findet das, was Krause da tut, interessant, wendet sich aber bald ab. "Ich habe gedacht, ich könnte hier Blaubeeren kaufen", sagt sie lachend. Ein Mann bleibt stehen. "Kann man hier blaue Farbe kaufen?", fragt er. Und hört geduldig zu, als der Künstler ihm die Blaumacherei erklärt. "Am Samstag bin ich wieder hier, kommen Sie einfach vorbei und bringen Sie mir etwas, das ich für Sie blau färben kann."

Elke Breuer nutzt ihre Mittagspause, um über den Kapuzinerplatz zu bummeln. Norbert Krause erklärt ihr, warum er hier steht und was er macht. Sie hört interessiert zu. Eine nette Mittagspause - mit freundlichem Geplauder und auch noch was gelernt.

Das sind die nächsten Einsätze der Blaumacherei: Samstag, 25. Juni, 10 bis 14 Uhr, Kapuzinerplatz; Mittwoch, 29. Juni, 10 bis 14 Uhr, Marktplatz Rheydt; Samstag, 2. Juli, 10 bis 14 Uhr, Marktplatz Rheydt; Sonntag, 10. Juli, 13 bis 17 Uhr, Töpfermarkt Schloss Rheydt

Die Kunden sollten Textilien, die sie gern blau gefärbt haben wollen, mitbringen.

Nein, hier gibt es keine Blaubeeren zu kaufen. Es wird auch keine blaue Farbe angeboten. Der Künstler Norbert Krause versteht sich als Dienstleister. Er färbt alles blau, was ihm die Kunden bringen.

Quelle: RP
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