| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Mit Marc Romboy in die Welt ungehörter Klänge

Mönchengladbach. Es wird eine Uraufführung. Der Komponist wird elektronische Musik aus Computer-Spielen mit Elementen der Klassik verbinden. Von Inge Schnettler

Mit dem Brotkasten hat alles angefangen. 600 Deutsche Mark hat Marc Romboy 1984 für den Commodore VC 64 auf den Tisch geblättert, noch mal 600 Mark für die Floppy-Disk, und dann kam auch noch der Bildschirm dazu. "Wegen seiner Form und der bräunlichen Farbe wurde der Commodore liebevoll Brotkasten genannt", sagt Marc Romboy. Was ihn an diesem Computer reizte: "Damit konnte man spielen und Musik machen." Wobei der Klang nicht besser war als die damals übliche Telefon-Qualität. Am Samstag, 24. Juni, wird das Modell "Brotkasten" zum Einsatz kommen - und zwar im Rahmen der Ensemblia im Vortragssaal des Museums Abteiberg. "Reconstructing Beeps & Beeps" heißt die Uraufführung, an der neben Romboy der Pianist Ulf Kleiner, die Cellistin Anne Schumacher und Ali Khalaj am Synthesizer beteiligt sind.

Marc Romboy ist ein weltweit performender Komponist und DJ der Technobewegung sowie ein äußerst einflussreicher Produzent elektronischer Musik. Geboren ist er 1970 in Rheydt, aufgewachsen in Pongs. Er hat das Gymnasium in Rheindahlen besucht, und sein Studio befindet sich in einem von außen unscheinbaren Haus in Mönchengladbach. "Als Schüler fühlte ich mich durchweg anders als die anderen", sagt er. Sein Lehrer und Förderer Michael Walter glaubte an ihn. "Andere bezeichneten mich als ,faule Socke'. Er fand mich kreativ und initiativ", sagt Romboy. Dass er eine besondere Affinität zu Tonträgern und Geräuschemachern hatte, wurde dem Schüler spätestens bei einem Schüleraustausch, der ihn nach Liverpool führte, klar. "Ich bin mit meinem Kassettenrekorder auf die Straße gegangen und habe wildfremde Menschen interviewt", sagt der Komponist. "Das hat mir viel Spaß gemacht - eine tolle Erfahrung."

Seine Karriere startete 1991 in einem Keller irgendwo in der Stadt. "Da begann die Hochphase der Technomusik." Unermüdlich saugte er Musik auf, wo er nur konnte - in Plattenläden, aus dem Radio. "Es gab eine Kneipe mit einer Jukebox in der Nähe", erinnert er sich. Alle vier Wochen wurden in dem Gerät die Singles ausgetauscht, die ausgesonderten durfte er mitnehmen. "Das waren wichtige Impulse damals." Ein weiterer war "Superstition" von Stevie Wonder. "Da sind die Drums extrem weit vorne." Alles, was von kräftigen Rhythmen geprägt war, interessierte den jungen Marc Romboy. "Das ist absolut die Basis der elektronischen Clubmusik." Da geht es um Rhythmus, um nichts als Rhythmus.

Die elektronische Musik startete vor allem in den Schwulen-Clubs in Städten wie Detroit, London oder Düsseldorf, dann ging sie um die Welt. "Ich kann nicht genau sagen, warum ich von dieser Art von Musik so fasziniert war, ich weiß, dass ich sie von Anfang an toller fand als jede andere", sagt Romboy. Die ständige Repetition geht auf die Musik der Urvölker zurück. "Die wummernde Rhythmik kann Menschen in Trance versetzen." Die Musik von Marc Romboy kann das ebenso.

Was erwartet die Gäste am 24. Juni im Museum Abteiberg? "Es wird ein Konzert mit ausgesprochen futuristischen Zügen", sagt Romboy. Dieser wird Kultmusik aus Computer-Spielen zugrundeliegen. "Ich versuche, die Frage zu beantworten, wie sich Musik in 100 Jahren anhören wird." Wobei die klassische Vergangenheit nicht ausgeschlossen wird. Es wird eine Fusion mit zwei Musikern geben - Ulf Kleiner aus Mainz und Anne Schumacher aus Ulm. "Wir nehmen unsere Zuhörer mit auf eine Reise in die Welt ungehörter Klänge und Geräusche."

Marc Romboy, Reconstructing Beeps & Bleeps, Uraufführung am Samstag, 24. Juni, 21 Uhr, im Museum Abteiberg. Im Vortragssaal des Museums werden 150 Plätze zur Verfügung stehen. Der Raum wird zu einem Drittel bestuhlt, der Rest bietet Stehplätze. Interessierte sollten sich so schnell wie möglich an der Museumskasse Tickets sicher. Diese dienen der Platzreservierung. Der Eintritt ist frei.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Mit Marc Romboy in die Welt ungehörter Klänge


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.