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Bernd Zimmermann
Nordrhein-westfälische Jazz-Szene ist lebendig und sehr vielfältig

Mönchengladbach. Bernd Zimmermann vom Verein NRW-Jazz spricht über die Situation dieser Kulturform. Eine Studie belegt, dass es an öffentlichen Förderungen fehlt.

Herr Zimmermann, wie kam es zu der Studie des Vereins NRW-Jazz "Jazz we can - Eine Analyse des Jazz in Nordrhein-Westfalen" in Zusammenarbeit mit Stefan Pieper?

Bernd Zimmermann Der Verein NRW-Jazz ist der einzige landesweit agierende gemeinnützige Verein zur Förderung des Jazz. Seit 2013 ist er vor allem der Betreiber des Jazzportals nrwjazz.net, das durch eine kontinuierliche Berichterstattung über Neuigkeiten, Konzertberichten, Veranstaltungskalender und Rezensionen über die Aktivitäten der nordrhein-westfälischen Jazzszene berichtet. Im Rahmen dieser Arbeit stießen wir immer wieder auf Musiker und Veranstalter, die die schlechten Rahmenbedingungen dieser Kunstform beklagten. Anfang 2015 erhielt NRW-Jazz durch eine Förderung des Wirtschaftsministeriums die Gelegenheit, die Situation des Jazz in NRW näher zu beleuchten und die Ergebnisse zu veröffentlichen.

Welche Erkenntnisse konnten gewonnen werden: Wie steht es um den Jazz in NRW?

Zimmermann Zunächst mal die positiven Fakten: In NRW werden auf über 200 Bühnen und 30 Festivals jährlich weit über 3000 Konzerte angeboten. In Nordrhein-Westfalen leben etwa 1000 hochqualifizierte Jazzmusiker, und mit der Folkwang in Essen und der Hochschule für Musik und Tanz in Köln gibt es hier zwei herausragende Ausbildungsstätten für Jazz. Die Rahmenbedingungen für diese Kulturform sind allerdings miserabel. Weit über 90 Prozent der Veranstalter arbeiten ehrenamtlich. Die öffentlichen Förderungen, ob kommunal oder landesweit stehen in keinem Verhältnis zu dem Dargebotenen oder zu den Förderungen anderer Kulturformen, wie zum Beispiel der Klassik, dem Tanz oder der bildenden Kunst. Auch bei der nicht unmittelbar finanziellen Förderung klagen die meisten Jazz-Veranstalter über fehlende Unterstützung. Immerhin stehen der überwiegenden Anzahl der Veranstalter die Spielorte kostenlos zur Verfügung, aber vor allem bei den Möglichkeiten der Werbung im öffentlichen Raum hapert es.

Sie waren jüngst bei einer Experten-Anhörung im Landtag.

Zimmermann Ja, das stimmt. Ein historischer Moment, denn nach Aussagen der Mitglieder des Ausschusses für Kultur und Medien war es das erste Mal, dass im Landtag in einem kulturpolitischen Kontext über Jazz gesprochen wurde. Ein sehr schöner Erfolg, der durch die Studie zustande kam. Auch die Ausschussmitglieder waren über die Größe und Vielfalt der nordrhein-westfälischen Jazz-Szene überrascht. Für die Zukunft hoffen wir darauf, dass bei der Unterstützung durch die öffentliche Hand mehr an den Jazz gedacht wird.

Sie setzen sich mit großer Leidenschaft für die Jazzmusik ein, sind selbst Veranstalter. Woher kam ihre Liebe zu dieser Musik?

Zimmermann Ich war schon immer an der Musik interessiert, bei der es etwas zu entdecken gibt. Musik, die sich mir bereits nach wenigen Sekunden erschließt, finde ich langweilig. Ich verstehe Musik mehr als Filmmusik für mein eigenes Kopfkino. Beim Jazz wird mir nicht nur was vorgespielt, da muss ich mich als Zuhörer aktiv beteiligen.

Gibt es zukünftige Pläne, wie geht es weiter?

Zimmermann Zukunftspläne gibt es viele. Im Augenblick kämpfen wir um den Erhalt der Reihe Fine-Art-Jazz in Mönchengladbach. Potentielle Unterstützer tun sich schwer, auf den Jazz zu setzen. Die Vorbereitung und Durchführung eines Konzerts ist mit einem sehr großen Zeitaufwand verbunden. Das ist ein ständiger Kampf, der die Beschäftigung und Umsetzung von Plänen in den Hintergrund drückt. Dennoch gibt es eine Reihe von Plänen.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE CHRISTIAN OSCAR GAZSI LAKI.

Quelle: RP
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