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Mönchengladbach
Opern-Highlights in der Kirche

Mönchengladbach. Beim einzigen Mönchengladbacher Konzert des zwölften Niederrhein-Musikfestivals begeisterten vier Musiker mit einer spannenden Auswahl an virtuosen Bearbeitungen populärer Bühnenwerke. Spitzenklasse! Von Dirk Richerdt

Zwei arrivierte Musiker, die ihre Referenzklasse bestätigten, Guido Schiefen (Cello) und Ralph Manno (Klarinette), waren zu Gast in der schmucken Rokokokirche in Wickrathberg. Zudem lernten wir im Konzert "Opera virtuosa" zwei Jungmeister kennen: den belgischen Echo-Preisträger Florian Noack (23) und den russischen Geiger Fedor Rudin (24). Damit ist das dynamische Programmkonzept von Anette Maiburg und Susanne Geer umrissen, die im zwölften Jahr das Niederrhein-Musikfestival organisieren.

Im Architekturdenkmal stand eine Gattung im Zentrum, die in der Zeit vor der Tonaufzeichnung in bürgerlichen Salons sehr beliebt war: virtuose Bearbeitungen bekannter Opern. Manche dieser Hausmusik-Schätze blieben ungedruckt, und so konnte Cellist Guido Schiefen stolz eine "Rarität" ankündigen, bevor er zusammen mit Noack die Freischütz-Fantasie von Bernhard Cossmann vortrug. Arien, Ensembles und Chöre dieser romantischen Oper hatte der Cellist Cossmann sich zur virtuosen Selbstergötzung am Instrument umgeschrieben. Auch Schiefen genoss hingebungsvoll die eingebauten Schwierigkeiten rasanter Fingerbeweglichkeitsprüfungen. Das Kabinettstückchen leistete er an seinem 1780 in London gebauten Cello aus der Werkstatt von John Betts. Natürlich auswendig. Vorn in den Zuschauerreihen lauschte dem klingenden Ballett der Finger auch Bernhard Zanders aus Nettetal: Der Geigenbauer hatte das Instrument restauriert.

Auf zauberisches Waldweben folgte Märchenhaftes: Florian Noack interpretierte, nun selbst auswendig, seine Bearbeitung von Rimsky-Korsakovs sinfonischer Suite "Scheherazade" nach "Tausendundeine Nacht". Dabei entfaltete der brillante Pianist in fünf Sätzen alle Facetten seines filigranen Anschlags, der auch zu donnernder Ekstase mutieren konnte, womit die akustischen Grenzen des kleinen Kirchenraums hörbar wurden. Im zweiten Teil testete Noack mit den Polowetzer Tänzen aus "Fürst Igor" von Aleksandr Borodin erneut die Nachhallverträglichkeit der Kirche. Eben noch bestanden . . .

Die virtuose Höchstleistung des Abends erbrachte der Geiger Rudin. Der 24-jährige Enkel des Komponisten Edison Denissow glänzte mit einem technischen "Hexenwerk", der vom spanischen Teufelsgeiger Pablo de Sarasate komponierten Carmen-Fantasie nach Bizets Oper. Verdis "Rigoletto" lieferte einem Luigi Bassi die Vorlage für eine Paraphrase für Klarinette und Klavier. Hier konnte Manno am Holzblasinstrument glänzen - auch wenn es zu einer kurzen Unterbrechung kam, als das Rohrblatt aus der Fassung geriet.

Quelle: RP
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