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Mönchengladbach
Reise in die museale Vergangenheit

Mönchengladbach: Reise in die museale Vergangenheit
Moderatorin Susanne Rennert lauscht dem Vortrag von Busso Diekamp. Der 1928 in Bochum geborene Jurist war 1964 Stadtdirektor in Mönchengladbach geworden. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Der langjährige Schul- und Kulturdezernent der Stadt, Busso Diekamp, hat seine beruflichen Memoiren verfasst. Daraus las er nun im Museum Abteiberg vor - und entführte die Zuhörer in die Zeit von Dattenberg und Cladders. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Als Alfred Schmela Busso Diekamp erzählte, dass es da einen Künstler gebe, der eine alte Mühle oder etwas in der Art zum Wohnen und Arbeiten suche, antwortete Diekamp: "Das habe ich natürlich." Und so kam Heinz Mack nach Mönchengladbach - dies ist nur eine der zahlreichen Geschichten, die Diekamp zu erzählen hat.

Eine Reise in die museale Vergangenheit der 1960er und folgenden Jahre konnten die Gäste am Sonntagvormittag im Vortragssaal des Museum Abteiberg miterleben: Busso Diekamp, ehemaliger Kulturdezernent und Stadtdirektor zwischen 1964 und 1993, entführte auf ganz persönliche Weise in die Anfänge der Zeit des Museums als Museum für zeitgenössische Kunst.

Der gesamte Sonntag stand mit Diskussionen, Vorträgen und Führungen unter dem Thema "Das Antimuseum. Schüttelt Staub ab"! - Letzteres ein Zitat von Johannes Cladders.

"Als sei es so geplant gewesen", so Susanne Titz lachend, hat Diekamp ausgerechnet zu einem Zeitpunkt seine Biografie fertiggestellt, als das Museum Abteiberg sich mit der Ausstellung "Von da an. Räume, Werke, Vergegenwärtigungen des Antimuseums 1967-1978" auf seine Anfänge besinnt. Die Ausstellung, die parallel auf dem Abteiberg und im alten Museum an der Bismarckstraße stattfindet, steht am Beginn einer Forschung um die Institution Museum.

Der 1928 in Bochum geborene Jurist Diekamp wurde 1964 Stadtdirektor in Mönchengladbach. Aus einer kunstinteressierten Familie stammend galt sein Interesse immer schon auch der Kunst. In seinen Mönchengladbacher Jahren prägte er in intensiver Zusammenarbeit mit den jeweiligen Museumsdirektoren die Kunstszene stark mit.

Ausschnitte aus seinem Buch "Randbemerkungen zu 30 Jahren Schul- und Kulturpolitik in Mönchengladbach 1964-1993" lesend, entführte Diekamp die Zuhörer, darunter viele Künstler, Politiker, Kunstsammler und Museumsvereinsmitglieder, in die Zeit von Dattenberg und Cladders.

Er erzählte, wie Heinrich Dattenberg ihn in die damals aktuellste Gegenwartskunst einführte, wie er angeregt von ihm Vernissagen und Ateliers besuchte. Wie er Kunst entdeckte, die zu Mönchengladbachs Sammlung passen könnte, dies Dattenberg telefonisch mitteilte, nur um zu hören, dass Dattenberg genau diese Arbeit (den Rotor von Heinz Mack) bereits erworben habe. Diekamp erzählt von den privaten Nachvernissagenparties, bei denen auch schon mal Gäste splitternackt im Springbrunnenbecken landeten und Nachbarn die Polizei riefen, oder wie Schmela wie ein rauchender Buddha inmitten der Künstler gethront habe.

Aus seinem Buch springt die Begeisterung für seine Arbeit und die Freude über die "Wertschätzung zwischen Dezernent und Museumsdirektor" förmlich heraus. Dass zu Diekamps Ressort auch die Schulpolitik gehörte, gerät oft ins Hintertreffen. Das Kapitel über die Schule handelte Diekamp selbst am Sonntagvormittag ganz kurz ab. Der Titel sei "Schulaufgaben", erzählte Diekamp, und las: "Nicht nur Schüler ächzen unter der Last der Hausaufgaben. Auch ich. Schule machte mir die meiste Arbeit." Und ging mit den Worten "Und damit ist das Kapitel beendet" zur Kultur über.

Quelle: RP
 
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