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Mönchengladbach
Reizvoller Auftakt zur Reihe "Lied-Gut"

Mönchengladbach. Operninterpreten sangen zwischen Plastikblumen und Stehpult einen Liederabend, der hohe Erwartungen weckt. Die künstlerische Leitung hatte Michael Preiser, der auch als Moderator fungierte. Intendant Michael Grosse rezitierte. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Es ist eine wirklich reizvolle Idee, Liederabende mit Sängerinnen und Sängern, die das Mönchengladbacher Publikum zumeist sonst eher als Operninterpreten kennt und schätzt, am Theater zu institutionalisieren. Der Auftakt der Reihe mit dem sprechenden Namen "Lied-Gut", unter künstlerischer Leitung von Michael Preiser, zeigte emphatisch, wohin die Reise geht: Allzu stereotype Liederabende wird es mit dem Theater Krefeld Mönchengladbach nicht geben. Das durfte dem Publikum, das den Weg in den Konzertsaal des Theaters fand, bereits bei dem ersten Blick auf die Bühne ins Auge gefallen sein. Das Mobiliar für ein Solorezital wurde ergänzt durch Sprecherpult und einer mittig platzierten mysteriösen Plastikblume, samt Gießkanne. Zu der Blume später mehr. Spätestens jedoch die sympathisch ins Detail gehenden Anmoderation durch Preiser, der für diesen Abend, wie auch bei den kommenden Konzerten der Reihe, am Flügel Platz nahm, ließ aufhorchen und hohe Erwartungen auf das kommende Wecken.

Preiser und der Gesangssolist des Abends Bariton Johannes Schwärsky, hiesigen Opernfans bekannt als Mazeppa, Guglielmo (Le Villi) oder auch Balstrode in "Peter Grimes" bekannt, wurden durch Generalintendant Michael Grosse, dessen Rezitationskunst sich zeigen lassen konnte, ergänzt. Gemeinsam widmeten sie sich der durchaus anspruchsvollen Aufgabe Johannes Brahms, seltener gesungenem Zyklus "15 Romanzen für eine Singstimme und Klavier" Op. 33 "Die schöne Magelone", zu blühender Lebenskraft zu verhelfen. Die Komposition basiert auf der durch Ludwig Tieck - unter dem Titel "Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence" - im späten 18. Jahrhundert entstandenen Bearbeitung eines berühmten Erzählstoffes aus dem 15. Jahrhundert. Brahms vertonte einzelne Passagen, durch Tieck zu den Kapiteln angefügte Lieder, gleich Fokuspunkten um sie zu komprimierten Stimmungsbildern zu verdichten. Emotionale, mal minne-gesang-artige, Romanzen, fordern mitfühlende Interpreten. Auch der Pianopart stellt höchste Ansprüche an den Ausführenden. Sowohl Schwärsky, mit sonorem, mit absolut deutlicher Diktion gekröntem Bariton, als auch Preiser, erwiesen sich als kundige Bezwinger der komplexen und brahms-typisch gewobenen - zwischen 1861-69 entstandenen - Kunstlieder. Nur selten war die technische Herausforderung dieser Musik im Klangergebnis spürbar.

Zu einem abwechslungsreich gefügtem Ganzen wurde die Geschichte der schönen neapolitanischen Königstochter und ihrer schwärmerischen, selbstverständlich mit mancherlei Dramatik gewürzten, Liebe zu dem ritterlichen Fremdling Graf Peter von Provence, erst durch die Einbettung der Liedvertonungen in den erzählerischen Kontext durch Michael Grosse. Zusätzlichen - sozusagen cineastischen - Esprit steuerte Schwärsky durch "Regieanweisungen", die an filmische Szenenbeschreibungen erinnerten bei. So entstanden vor dem Auge des Zuhörers in vielen Farben gezeichnete Bilder, aus Musik und Wort. Ein Wechselbad der Gefühle, zusammentreffen, zu sich finden, Leidenschaft, Trennung, Verlust, tiefe Sehnsucht und schließlich ein Happy End. Gut zwei Stunden lang verwandelte sich der Konzertsaal in feinsinnig verklärte Szenerie. Die Plastikblume blühte am Ende zauberhaft auf, wurde sie ja durch des Sängers Hand begossen. Weitere Termine: 6. November, 19.30 Uhr, Theater Krefeld.

Quelle: RP
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