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Mönchengladbach
Rheydter Musiksommer endet mit Bach und Luther

Mönchengladbach. Bach und Lutherchoräle zum Reformationsjahr - das hört sich nach einer recht konventionellen Veranstaltung an. Von wegen! Der diesjährige Rheydter Musiksommer endete lebendig und erfrischend. Es kommt eben auf das Wie an. Und da klang in der wieder gut besetzten evangelischen Hauptkirche so manches anders als von früher her bekannt. Von Gert Holtmeyer

Das Jazztrio Olaf Kordes (Piano), Wolfgang Tetzlaff (Kontrabass) und Karl Godejohann Schlagzeug gefiel mit einem ganz individuellen Zugang zu alter Musik und traf damit genau die Einschätzung von Pfarrer Stephan Dedring. Der meinte zu Recht, dass einerseits das Immergleiche langweilig, andererseits das gänzlich Ungewohnte befremdlich wirke. Reizvoll dagegen sei es, im Bekannten das Unbekannte aufzuspüren. So kam es dann auch.

Zunächst waren nur einige dezente Schlagzeug-Klänge zu hören, aus denen sich dann langsam eine freie Improvisation entwickelte. Dann schimmerten aber doch unüberhörbar Wendungen durch, die eindeutig nach Johann Sebastian Bach klangen. Die c-moll-Fuge aus dem Wohltemperierten Klavier hatte eine neue musikalische Verpackung erhalten.

Bach auf dem Jazz-Klavier - da gibt es Vorbilder. Kordes erinnerte an den französischen Pianisten Jacques Loussier (*1934), der in den 1960-er Jahren mit Jazz-Arrangements Bachscher Musik Furore machte. Das Trio griff Loussiers Bearbeitung des fünften Brandenburgischen Konzerts auf. Dabei wurde auch die Cembalo-Kadenz des Originals nicht ausgespart, wenn auch deutlich verändert - als virtuoses Klavier- und entfesseltes Schlagzeug-Solo. "Schön, wenn man solche Mitarbeiter hat", kommentierte mit trockenem Humor Kordes die Leistung seines Schlagzeugers. Nun, alle drei Musiker beherrschten souverän ihr Instrument. Eindrucksvoll brachten sie mit Oscar Petersons "The Bach Suite" noch einen weiteren Jazzpianisten in Erinnerung, der Bach sehr verehrte.

Auch Luthers Choräle "Nun freut euch, lieben Christen g'mein" und "Verleih uns Frieden gnädiglich" klangen, anders als gewohnt, sehr reizvoll. Auch eine Mischung verschiedener Kompositionen und Stile gehört zu den Markenzeichen des Trios, das den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielt. Luthers "Aus tiefer Not schrei ich zu Dir" und Astor Piazollas "Milonga Del Ángel" gingen eine wohlklingende Symbiose ein.

Ohne zwei Zugaben durften die Musiker ihr Konzert nicht beenden. Die Zuhörer freuten sich noch über Virtuoses (Paganinis "La campanella") und Elegisches ("Somewhere Over the Rainbow").

Quelle: RP
 
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