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Mönchengladbach
Sam Hopkins wagt den Blick zurück aus der Zukunft

Mönchengladbach. Für einen Abend inszenierte Atelierstipendiat Sam Hopkins seine Abschlussausstellung in der Galerie Börgmann. Von Angela Wilms-Adrians

Das Buch ist in Mönchengladbach angekommen. Gebührend gefeiert und gewürdigt, ruhte es auf einem Sockel unter Glas in der Galerie Börgmann. Das Buch war Kern von Sam Hopkins Performance über die Zukunft. Was ist Ernst? Was ist mit einem Augenzwinkern gemeint? Das mochten sich die Besucher der performativen Ausstellung einen Moment lang fragen. Denn in den einführenden Worten von Dr. Thomas Hoeps und Galerist Ulf Schroeders lag ein demonstrativ überzogenes Pathos, das Ironie vermuten ließ, aber auch tiefere Bedeutung.

Sam Hopkins ist Regisseur einer Science-Fiction-Vision, die in Umkehrung heutiger Realität Kunststoff als seltenes Gut entdeckt. Die Inszenierung basiert auf der Vorstellung, dass es in der Zukunft kein Öl mehr gibt und Plastik damit zur wertvollen Rarität wird. Das Buch "Der Müllbegleiter" in der Vitrine wird zum "praktischen und spirituellen Führer dieser Welt". Kleine Kopien im schwarzen Cover gaben Einblick, wie eine Regierung Menschen beibringen will, verantwortungsvoll mit Plastik umzugehen, damit dieses als Verpackungsmaterial recycelt werden kann. Über die Einladung war der Besucher aufgefordert, die Rolle als Gläubige oder Gläubiger anzunehmen und die Präsentation des Buches als Höhepunkt einer langwierigen Arbeit zu erleben. Doch vor der Tür lauerte die kreative Fraktion der Plastik-Untergrund-Szene, für die Plastik mehr ist als bloße Verpackung.

Sam Hopkins hat die Performance im Kern minimalistisch angelegt. Mit betont überhöhtem heiligen Ernst legte er das Buch mit farblosem Einband in die Vitrine. Im abgedunkelten Nachbarraum lief in Endlosschleife ein mit englischem Text unterlegter Film, der ein im Meer schwimmendes Plastikteil ästhetisch erhöhte. Vom vorderen Ausstellungsraum aus konnte der Besucher im schräg gegenüberliegenden Schaufenster auf der anderen Straßenseite eine Animation über das Gießen, mosaikartige Zusammenwachsen und Gleiten von Plastikelementen sehen. Der vorgegebenen Dramaturgie entsprechend, nannte Hopkins in seiner Rolle als Regisseur diesen von Nieves de la Fuente Gutierrez realisierten Film die Konkurrenz des "Plastic Underground". "Die Inszenierung findet in der Zukunft statt", sagte der 36-Jährige, der in Kenia aufwuchs, Englisch als Muttersprache spricht und als britischer Intellektueller durchgehen könnte.

Thomas Hoeps hatte bei der Einführung demonstrativ euphorisch vom Jubel über das Buch gesprochen, Stichworte wie Wegwerfgesellschaft, Demagogen und Wohlstandsgesellschaft eingeflochten. Damit war er Teil der Performance und reagierte in der ihm zugedachten Rolle mit einer dramatisch aufgearbeiteten Interpretation.

Abseits des offiziellen Teils erklärte er: "Für mich ist das eine Zukunftsvorstellung, die auch von totalitären Systemen handelt. Wie reagiert man, wenn ein Werkstoff extrem wichtig wird?"

Quelle: RP
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