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Mönchengladbach
"Schauzeit" für ein lebendiges Rheydt

Mönchengladbach. In 14 Ladenlokalen heißt es bis zum 30. September "Goodbye Leerstand - Hello Rheydt!". Roland Weiniger hat für sein Start-up-Unternehmen den Vertrag für das Ladenlokal an der Klötersgasse bereits bis Jahresende verlängert. Von Nina Jedrychowski

Bürgermeister Ulrich Elsen hat die 2. "Rheydter Schauzeit" im ehemaligen Flüchtlingsheim an der Brucknerallee 7 eröffnet. "Rheydt steckt den Kopf nicht in den Sand", sagte der Bürgermeister. 2015 hatten Projektleiterin Barbara Schwinges und der Quartiersmanager Markus Offermann im Namen der "Sozialen Stadt" das Projekt, das Künstlern, Start-up-Unternehmen, Designern und Standorttestern die Möglichkeit bietet, einen Monat lang ihre Werke und Ideen in Rheydter Leerständen anzubieten, gegründet. Immobilienbesitzer stellen den kreativen Köpfen ihre Läden kostenfrei zur Verfügung, und im besten Fall mieten die Teilnehmer der Schauzeit die Immobilie nach den vier Wochen langfristig. "Hinzukommt, dass durch die Zwischennutzung der Wert der Immobilie erhalten bleibt", sagt Barbara Schwinges.

Dieses Jahr stehen 14 Ladenlokale bis zum 30. September unter dem Motto "Goodbye Leerstand, Hello Rheydt!" zur Verfügung. Die erste Immobilie ist das sogenannte Künstlerhaus an der Bruckneralllee 7. Hier stellen 22 Mitglieder der Künstlergruppe "Der Blaue Rheydter", drei Künstler unter dem Namen "Drei." und Pedro Moro ihre Kunstwerke aus.

Ralf Botzen, der sich hinter dem Künstlernamen "rabo" versteckt, Jürgen Krausen und Sascha Schmitz alias "SC Schmitz" waren 2015 schon Teilnehmer der "Schauzeit" und hielten den Kontakt aufrecht. "Unser Stammtisch trifft sich jeden Monat im Rheydter Ratskeller. Da entstand auch die Idee für ,Drei.'", sagte Jürgen Krausen. Krause stellt hauptsächlich Fotografien aus. Doch sein Motto lautet "selber Hand anlegen", und so werden aus den alltäglichen Schnappschüssen Fotocollagen und Schwarz-WeißAusdrucke, die er nachträglich koloriert. "Es gibt täglich etwas zu entdecken", sagt er.

Den Menschen und seinen Raum lichten Cora Straßburg und Joshua Eckstein in ihren Fotografien ab. Ihr Laden hat die Nummer drei und befindet sich in der Hauptpassage. Straßburg zeigt eine Fotostrecke eines syrischen Flüchtlings im Alltagsleben. Eckstein fotografierte in einem Duisburger Wohnwagenpark und beschäftigen sich mit der Frage: "Wie viel Platz braucht der Mensch zum Leben." Zusätzlich zur Immobilie drei stellen die Fotografie-Studenten Ausdrücke am Tellmann-Platz aus, die wöchentlich wechseln. "Wir zeigen Porträts von den Menschen, die sich am Tellmann-Platz aufhalten", sagt Eckstein.

Ihre eigene kleine Welt schaffen sechs Künstlerinnen im Laden Nummer sieben. Die Künstlerinnen und Designerinnen haben "den Wunsch, einen eigenen Laden zu betreiben. Dies war und ist immer noch der Plan", sagt Madeleine Schepers von "edition-apfelkern". Vom Konzept der Zwischennutzung sind Schepers und ihre Kolleginnen begeistert: "Es ist die Möglichkeit eine Testphase zu durchlaufen", sagt Schepers. Ulrich Elsen sagt: "Wir wollen nicht nur den Einzelhandel in der Stadt fördern, sondern auch das urbane Leben pflegen und hegen."

Drei Häuser weiter versucht sich Beate Barthel mit ihrer Marke "blumenunikate" als Ladenbetreiberin. Sie bietet einzigartige und individuelle Blumen- und Dekorationsartikel an. "Ich dekoriere gerne. Vor fünf Jahren fing ich mit meinem Internetblog an", sagt Barthel. Unter ihrem Motto "Blumen natürlich dekorieren" schafft sie im Gläsernen Atelier an der Hauptstraße 14 einen Ort der Veränderung und bietet Workshops zum Mitmachen an.

Doch nicht nur Künstler und Designer machen bei der "Schauzeit" mit. Mit seinem Start-up-Unternehmen "Glo-ry" sticht Roland Weiniger heraus. Er informierte sich bei der Wirtschaftsförderung über seine Möglichkeiten als Unternehmer und bewarb sich daraufhin bei der "Schauzeit". An der Klötersgasse 15 greift Weiniger anderen Start-ups, Vereinen und Organisationen in Rheydt bezüglich Forschungs- und Fördermittelberatung sowie Kompakt-Workshops unter die Arme. "Wir können jetzt zeigen, dass eine Zwischennutzung die Stadt attraktiver macht", sagt Weiniger, der schon bis Ende des Jahres verlängerte.

Dies entspricht der eigentlichen Idee, die hinter dem Konzept der "Schauzeit" in Rheydt steckt. "Idealerweise wollen wir eine Dynamik schaffen, dass die Zwischennutzung ganzjährig besteht und Rheydt so wieder belebt wird", sagt Barbara Schwinges. Doch Ulrich Elsen weiß: "Rom wurde nicht an einem Tag gebaut, und das gleiche gilt für Rheydt."

Quelle: RP
 
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